Screenshot von Thomas Schrems´ Eintrag auf Facebook. Das Foto von Sebastian Kurz, „dieses Abbild des artifiziellen Aufgeblasen-Seins", hat er eher aus einer Laune heraus bei einem Besuch beim Patriarchen von Konstantinopel mit dem Fischauge geschossen. Screenshot von Thomas Schrems´ Eintrag auf Facebook. Das Foto von Sebastian Kurz, „dieses Abbild des artifiziellen Aufgeblasen-Seins", hat er eher aus einer Laune heraus bei einem Besuch beim Patriarchen von Konstantinopel mit dem Fischauge geschossen. Screenshot
11 Jun
geschrieben von 

Im Bett mit Sebastian Kurz

Der ehemalige Krone-Chronik-Chef Thomas Schrems hat den Kanzler während seines Aufstiegs begleitet. Auf Facebook und im Partei-Portal ZackZack, wie Kurz und seine Spießgesellen die Presse gefügig machen.

Thomas Schrems war einst ein mächtiger Mann. Er war sogar so bedeutend, dass sich dereinst ein junges Bürscherl bei ihm als neuer Integrationsstaatssekretär vorstellte. Das war damals, Hans Dichand lebte und arbeitete noch - durchaus so üblich, dass hohe und allerhöchste politische Funktionsträger in die Muthgasse pilgerten, um persönlich ihre Aufwartung zu machen. Zuerst ging es natürlich rauf in den 16. Stock in den „Vorhof der Macht“, wie Dichand in seiner ebenso betitelten Biographie seine Funktion definiert hat. Dann ging es zu den Chefredakteuren und dann zu den Leitern der wichtigsten Ressorts. Und Thomas Schrems war Leiter der Chronik. Des seit jeher allerwichtigsten Ressorts der Krone.
So stellte sich also Sebastian Kurz, losgeschickt von seiner Chefin, Innenministerin Johnna Mikl-Leitner und schon damals begleitet von seinem „Bullterrier in Sachen Message-Control der türkisen Familie“, Gerald Fleischmann, eben auch bei Thomas Schrems vor.
Auf Facebook rekapituliert Schrems, der die Krone und mit ihr den Tages-Journalismus 2014 verlassen hat, sich heute als Ghostwriter und Autor verdingt und kürzlich ein lukratives Angebot von Richard Schmitts sehr ÖVP-affinen Portals Exxpress in den Wind geschlagen hat, diese Zeit; mit dem Liste-jetzt-Portal Zackzack  hat er darüber gesprochen. „Es hat sich in mir einiges angestaut in den letzten Jahren, die jüngsten politischen Ereignisse haben mich nun dazu gebracht, etwas für meine psychische Hygiene zu tun“, sagt er dort.

Ja, ein wenig gebauchpinselt habe er sich schon gefühlt, als der neue Integrationsstaatssekretär bei ihm auf der Matte stand, räumt Schrems in sympathisch-selbstkritischer Offenheit ein. Erst recht, als ER ihn in der Redaktion anrief und um Rat fragte, ob er den Posten des Außenministers annehmen solle. In der Folge war er bei vielen Reisen des heutigen Bundeskanzlers dabei und bekam Einblicke in türkise Sitten und Pressebetreuung. Er bekam mit, wie sich solche politische Auslandsdelegationen bei Reisen verwöhnen lassen und sich und ihresgleichen bereichern und wie raffiniert Kurz und sein Team dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit von solchen Dingen nichts erfährt. Die ausgewählten Journalisten ausgewählter Medien bleiben stumme, schweigende Zeugen und Mitwisser solcher Machenschaften. „Weil wir aus einem sich mehr und mehr verselbständigenden Reflex heraus agieren. Eine Art ,Adabei-Reflex’, der die ursprünglichen Aufgaben des Journalisten (das kritische Hinterfragen, Berichten etc.) mehr und mehr zurückdrängt – und im Gegenzug dem Promi-Faktor zu seinem ,Recht’ verhilft. Weil doch Licht und Glanz der „großen Namen“ ringsum so sehr hereinstrahlen, dass man fast nicht anders kann als …?“ stellt Schrems dazu auf Facebook zur Disposition und gibt selbst die Antwort: „Genau. Nichts. Mitstrahlen. Wegsehen. Schweigen. Bloß, weil sie dich plötzlich am Handy anrufen. Bloß, weil sie dir (rein dienstlich natürlich) die tollsten Reisen anbieten, die besten Exklusivgeschichten, dich in die teuersten Restaurants entführen und so weiter. Und da kann es dann auch passieren, dass man (wenn auch leicht beschämt und mit reichlich Alkohol kompensiert) wegsieht und schweigt …“

Irgendwann war es genug des Schweigens und Schrems verweigerte das Mitmachen, indem er die Stopptaste drückte. „Und so war einer meiner vielen Gründe, dem Tagesgeschäft bei der Zeitung zu entsagen, letztlich auch dieser unsägliche Ekel, der mich damals bereits erfasst hatte angesichts der viel zu tiefen Einblicke, die mir gewährt wurden in euer Reich, in die so genannte ,hohe Politik’ und ihre geistbefreit-schmutzigen Mechanismen", richtet er Kurz aus. „Jener würgende Ekel auch, der mir angesichts des dich damals schon umschwirrenden Klüngels die Luft für ein sauberes Atmen nahm (ja, der Thomas „Jetzt-wieder-reisen-wie-der-Pöbel“ S. war auch schon munter mit von der Partie und einige andere mehr). Und, ja, ferne Boten dieses würgenden Ekels steigen mir heute noch die Kehle empor, wenn ich sehe, wie DU und deine Spezis dieses Land untereinander aufteilen, in den Sumpf ziehen und bis zum Erbrechen der Lächerlichkeit preisgeben.“ Das Resumee des Aussteigers: „Besser ist´s, kleinere, bedeutend bescheidenere Brötchen zu backen. Ganz pöbelhaft. Besser ist´s, die Bodenhaftung nicht zu verlieren (oder zurückzugewinnen). Besser ist´s, ein freischaffender Buchstaben-Hin-und-Her-Schieber zu sein, der für sein Auskommen viel und hart arbeiten muss, so rechtschaffen wie die allermeisten Menschen in diesem Lande auch. Menschen, die alles Mögliche haben – bloß nicht euch verdient. Besser so … und dafür Mensch sein, Mensch bleiben.“

 



Unterstützen Sie BranchenBlatt!

 

Werden Sie Teil des Projektes! BranchenBlatt als Medien-Start-up hat die Krise besonders getroffen. Mit Blut, Schweiß und Geld stehen wir aber hinter dem Projekt. Weil wir der Überzeugung sind, dass der eingefahrene Markt in diesem Bereich dringend frischen Wind benötigt. Und dass unabhängige Berichterstattung ohne Verhaberung der gesamten Branche mehr Glaubwürdigkeit und Gewicht verleiht. 

Unterstützen Sie Ihr neues BranchenBlatt dabei! Wir sind weiterhin bemüht, seriöse und spannende Nachrichten zu liefern. Doch in Zeiten wegfallender Werbeeinnahmen wird die Aufgabe nicht leichter. Sie können für BranchenBlatt in den Ring steigen und mit Ihrer Spende zu einem neuen Mediendiskurs in der Branche beitragen!

 

paypal me 300x140