Willi Resetarits, 2012 bei einem Auftritt im Theater am Spittelberg Willi Resetarits, 2012 bei einem Auftritt im Theater am Spittelberg Screenshot
25 Apr
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Oh ja, es gibt Neanderthaler

Reaktionen auf den Tod von Willi Resetaritis als eine Art Absurdes Theater.

 

Auch Karl Nehammer hat sich - übrigens als ziemlich einziger aus der türkisen Führungsriege - öffentlich „wirklich erschüttert" über den Tod von Willi Resetarits gezeigt. Der Künstler und Menschenrechtsaktivist habe ihn durch seine Jugend begleitet und er habe viele seiner Konzerte besucht, postet der BK auf Twitter. Das kann man ihm vermutlich sogar wirklich glauben. Als Privatmensch. Vom Politiker Nehammer geäußert, verursacht es freilich Magenkrämpfe, praktizierte dieser als Innenminister doch, kurz gesagt, genau das Gegenteil von dem, was Resetarits mit seinen humanitären Initiativen und Aktivitäten insbesondere für Flüchtlinge im wahrsten Wortsinn vorgelebt hatte. Kein Wunder, dass Nehammers Betroffenheit auf sozialen Medien nun jede Menge Widerspruch hervorruft. Der Sänger Roman Gregory hat den absurden Antagonismus denn auch effektiv auf den Punkt gebracht.

Gregorys Band Alkbottle konnte in den frühen 90er Jahren für ein paar Momente als Nachfolge für Resetarits´ Combo Ostbahn-Kurti & die Chefpartie anmuten, indem sie deren archetypischem Prolo-Rock ein etwas peppigeres Energie-Level verpassten. Doch bei genauerem Hinsehen/-hören waren doch auch problematische Komponenten bei Alkbottle zu erkennen: Etwa deren Benzinbrüder-/Motorradlfoan-Macho-Gehabe und ein wenig einnehmendes Frauenbild - nicht genug durch Ironie gebrochen, um nicht zeitweise etwas abstoßend zu wirken. Es scheint im übrigen so, als habe Gregory diese Defizite irgendwann selbst gesehen. Denn in seinem Twitter-Profil beschreibt er sich als „Linkslinksversiffter Ökogutmenschgärtner mit alkoholischer Vergangenheit und feministischen Zukunftsvisionen".

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Wie auch immer, die Reaktionen auf sein Posting zu Nehammer zeigen zum einen die Ambivalenz von Alkbottle, die durch ihre Präsentation durchaus auch rechte Dumpfnüsse angezogen haben - die wiederum aber jetzt nicht damit klarkommen, dass Gregory nun unmissverständlich Stellung bezieht. Oh ja, wir haben eine gespaltene Gesellschaft, die nicht einmal durch einen tragischen Anlass wie diesen zu versöhnen ist, und es gibt noch genug Neanderthaler. Sie sind nicht die Mehrheit, aber gut 20 Prozent machen sie schon aus.

Dass FPÖ-Chef Herbert Kickl keinerlei würdigende Worte für Resetarits findet und stattdessen lieber der rechtsextremen Marine Le Pen zu ihrem Abscheiden bei den französischen Präsidentschaftswahlen gratuliert, überrascht nicht. Ebenso wenig demgegenüber, dass HBP Alexander Van der Bellen, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Grünen-Chef Werner Kogler, Peter Pilz, Justizministerin Alma Zadic, Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser, NÖs LH-Stellvertreter Franz Schnabl sowie unzählige Spitzenkräfte des Journalismus dem Verstorbenen in ehrendem Angedenken huldigen.


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