IT-Kollektivvertrag Österreich: Softwareentwickler-Gehalt, ST1, ST2, Regelstufe und Überzahlung

IT Kollektivvertrag in Österreich - Chancen für gute Gehälter - was geilt?
IT Kollektivvertrag in Österreich - Chancen für gute Gehälter - was geilt?

Der IT-Kollektivvertrag in Österreich ist für viele Softwareentwickler:innen, Programmierer:innen, Systemadministrator:innen, IT-Consultants, Projektmanager:innen, Tester:innen, Support-Mitarbeiter:innen und IT-Lehrlinge die wichtigste Grundlage für das Mindestgehalt. Besonders häufig sorgen die Begriffe ST1, ST2, Regelstufe, Einstiegsstufe, Erfahrungsstufe, Überzahlung und IST-Gehalt für Verwirrung. Entscheidend ist nicht nur der Jobtitel, sondern die tatsächliche Tätigkeit, Verantwortung, Erfahrung und Einstufung im Unternehmen.

In unserem Branchenblatt-Ratgeber erklären wir den IT-KV bewusst so, dass Bewerber:innen, Angestellte, Berufseinsteiger:innen, Quereinsteiger:innen, Arbeitgeber und HR-Verantwortliche die wichtigsten Begriffe schnell einordnen können. Die konkreten Euro-Werte ändern sich durch KV-Abschlüsse regelmäßig; die Logik dahinter bleibt aber deutlich stabiler: Tätigkeitsfamilie bestimmen, Stufe prüfen, Mindestgehalt vergleichen, Überzahlung verstehen und Vertragsangaben sauber kontrollieren.

BegriffWas damit gemeint ist
IT-KollektivvertragKollektivvertrag für Angestellte in Unternehmen der Informationstechnologie beziehungsweise Datenverarbeitung und Informationstechnik.
MindestgrundgehaltDas kollektivvertragliche Mindestgehalt, das bei richtiger Einstufung nicht unterschritten werden darf.
TätigkeitsfamilieEinordnung nach Art und Schwierigkeit der Tätigkeit, etwa AT, ST1, ST2 oder LT.
ST1Spezielle Tätigkeiten 1. Häufig relevant für qualifizierte IT-Tätigkeiten mit Fachwissen, aber noch nicht zwingend sehr hoher Komplexität oder Leitungsverantwortung.
ST2Spezielle Tätigkeiten 2. Häufig relevant bei komplexeren, verantwortungsvolleren oder stärker spezialisierten Tätigkeiten.
RegelstufeEine wichtige Stufe innerhalb der Tätigkeitsfamilie. Viele Beschäftigte vergleichen ihr Gehalt mit der Regelstufe, weil sie nach der Einstiegsphase relevant wird.
ÜberzahlungGehalt über dem KV-Mindestwert. In der IT häufig, aber nicht automatisch dauerhaft wertgesichert, wenn der Vertrag das nicht klar regelt.
IST-GehaltDas tatsächlich bezahlte Gehalt. Es kann deutlich über dem kollektivvertraglichen Mindestgehalt liegen.

IT-Kollektivvertrag Österreich: Warum die Einstufung wichtiger ist als der Jobtitel

Viele IT-Stellen klingen ähnlich: Softwareentwickler:in, Full-Stack Developer, Backend Developer, Frontend Developer, DevOps Engineer, Data Engineer, IT Consultant, System Engineer, Application Manager, Product Owner oder Projektmanager:in. Für den Kollektivvertrag reicht der Titel allein aber nicht. Entscheidend ist, welche Tätigkeit überwiegend ausgeübt wird, welche Verantwortung besteht, wie komplex die Aufgaben sind und ob Leitungs-, Architektur-, Projekt- oder Spezialverantwortung übernommen wird.

Genau hier entstehen die meisten Missverständnisse. Zwei Personen können beide „Softwareentwickler“ heißen und trotzdem unterschiedlich eingestuft sein. Eine Person entwickelt nach Vorgabe einzelne Features, eine andere verantwortet Architektur, kritische Systeme, technische Entscheidungen, Kundenschnittstellen oder ein Team. Die Einstufung muss zur echten Tätigkeit passen, nicht nur zum Namen auf der Visitenkarte.

ST1, ST2, Regelstufe und Erfahrungsstufe verständlich erklärt

Der IT-KV arbeitet mit Tätigkeitsfamilien und Stufen. In der Praxis sind für viele IT-Jobs vor allem AT, ST1, ST2 und LT relevant. AT steht für allgemeine Tätigkeiten. ST1 und ST2 betreffen spezielle Tätigkeiten, also qualifiziertere IT-Aufgaben. LT steht für leitende Tätigkeiten. Innerhalb dieser Tätigkeitsfamilien gibt es Stufen wie Einstiegsstufe, Regelstufe und Erfahrungsstufe.

Für Softwareentwickler:innen ist besonders häufig die Frage relevant: Bin ich ST1 oder ST2? Und bin ich noch in der Einstiegsstufe oder schon in der Regelstufe beziehungsweise Erfahrungsstufe? Die Antwort hängt nicht an einem einzelnen Schlagwort, sondern an Ausbildung, Berufserfahrung, tatsächlichen Aufgaben, Selbständigkeit, Verantwortung, Komplexität und Vergleichbarkeit im Betrieb.

TätigkeitsfamilieAktuelle Mindestgrundgehälter laut IT-KV-Abschluss
ZTEinstiegsstufe 2.236 Euro, Regelstufe 2.459 Euro, Erfahrungsstufe 3.057 Euro brutto monatlich.
ATBerufseinsteiger 2.420 Euro, Einstiegsstufe 2.547 Euro, Regelstufe 3.155 Euro, Erfahrungsstufe 3.819 Euro brutto monatlich.
ST1Berufseinsteiger 3.104 Euro, Einstiegsstufe 3.267 Euro, Regelstufe 3.954 Euro, Erfahrungsstufe 4.476 Euro brutto monatlich.
ST2Einstiegsstufe 4.061 Euro, Regelstufe 4.611 Euro, Erfahrungsstufe 5.444 Euro brutto monatlich.
LTEinstiegsstufe 5.301 Euro, Regelstufe 6.059 Euro, Erfahrungsstufe 6.781 Euro brutto monatlich.

Was ST1 in der Praxis bedeuten kann

ST1 ist für viele qualifizierte IT-Fachkräfte ein zentraler Bereich. Darunter können Tätigkeiten fallen, bei denen spezielles Fachwissen erforderlich ist, Aufgaben eigenständig gelöst werden und die Tätigkeit über einfache Routinearbeit hinausgeht. Für Softwareentwickler:innen kann ST1 etwa dann relevant sein, wenn sie produktiv entwickeln, Fehler analysieren, Anforderungen umsetzen, bestehende Systeme erweitern und fachlich eigenständig arbeiten.

ST1 bedeutet aber nicht automatisch „Junior“ oder „Senior“. Auch innerhalb von ST1 gibt es Stufen. Eine Person in der ST1-Einstiegsstufe kann anders einzuordnen sein als eine Person in der ST1-Erfahrungsstufe. Wer seine Einstufung prüfen möchte, sollte daher immer Tätigkeitsfamilie und Stufe gemeinsam betrachten.

Was ST2 von ST1 unterscheidet

ST2 ist typischerweise die höhere Spezialtätigkeit. In der Praxis geht es oft um komplexere Aufgaben, mehr Verantwortung, höheres Spezialwissen, Architektur, Analyse, Projektverantwortung, technische Entscheidungen oder besondere Problemlösungskompetenz. Ein:e erfahrene:r Softwareentwickler:in, die oder der kritische Systeme plant, technische Konzepte erstellt, komplexe Schnittstellen verantwortet oder andere fachlich anleitet, kann näher an ST2 liegen als an ST1.

Wichtig: ST2 ist nicht automatisch an eine bestimmte Anzahl von Berufsjahren gekoppelt. Erfahrung ist relevant, aber die tatsächliche Tätigkeit entscheidet mit. Wer zehn Jahre ähnliche Routineaufgaben erledigt, ist anders zu bewerten als jemand, der nach fünf Jahren sehr komplexe Architektur- oder Leitungsaufgaben übernimmt.

Regelstufe: Warum sie in Stellenanzeigen oft wichtiger ist als der Einstieg

Viele Bewerber:innen schauen nur auf das angegebene Mindestgehalt in einer Stellenanzeige. Oft steht dort ein Satz wie: „Das Mindestgehalt laut IT-KV beträgt …, Überzahlung je nach Qualifikation und Erfahrung möglich.“ Entscheidend ist dann, auf welche Tätigkeitsfamilie und welche Stufe sich diese Angabe bezieht. Ein ST1-Mindestgehalt in der Einstiegsstufe sagt wenig über eine anspruchsvolle Senior-Rolle aus.

Die Regelstufe ist häufig der realistischere Vergleichspunkt für Personen, die bereits Berufserfahrung haben und nicht mehr unmittelbar am Anfang stehen. Wer seit Jahren Software entwickelt, Projekte betreut oder IT-Systeme verantwortet, sollte prüfen, ob Einstiegsstufe, Regelstufe oder Erfahrungsstufe zur tatsächlichen Rolle passt.

Erfahrungsstufe: Nicht nur Dienstjahre zählen

Die Erfahrungsstufe ist für viele IT-Beschäftigte finanziell wichtig, weil sie innerhalb derselben Tätigkeitsfamilie deutlich höher liegen kann. Trotzdem sollte man sie nicht mit einem einfachen automatischen Senior-Titel verwechseln. Relevante Berufserfahrung, gleichwertige Tätigkeiten, Anrechnung und korrekte Einstufung müssen geprüft werden.

Wenn Sie den Arbeitgeber wechseln, sollten Sie Ihre bisherigen Tätigkeiten gut dokumentieren: Rollenbeschreibung, Technologien, Projektverantwortung, Leitungsanteile, Kundenverantwortung, Architekturarbeit, Budget, Teamgröße und fachliche Entscheidungskompetenz. Je genauer die Tätigkeit beschrieben ist, desto leichter lässt sich eine passende Einstufung begründen.

Softwareentwickler-Gehalt: KV-Mindestwert und Marktgehalt trennen

Der IT-KV legt Mindestgehälter fest. Das tatsächliche Marktgehalt kann deutlich darüber liegen. Besonders in Bereichen wie Cloud, Security, Data Engineering, ERP, SAP, KI, Embedded Systems, DevOps, Architektur, Produktentwicklung oder technischen Führungsrollen sind Überzahlungen häufig. Trotzdem bleibt der KV wichtig, weil er die Untergrenze bildet und Begriffe für Einstufung und Gehalt liefert.

In unserem allgemeinen Ratgeber Softwareentwickler-Gehalt in Österreich ordnen wir Einstiegsgehälter, Branchen, Spezialisierungen, KI-Nähe und Karrierewege breiter ein. Dieser Beitrag hier ergänzt ihn bewusst um die KV-Logik, damit Sie Stellenanzeigen und Arbeitsverträge besser lesen können.

Überzahlung: Der wichtigste Punkt bei IT-Verträgen

Viele IT-Angestellte verdienen über dem KV-Mindestgehalt. Das ist grundsätzlich positiv, aber die Vertragsformulierung ist wichtig. Eine Überzahlung kann so gestaltet sein, dass sie bei KV-Erhöhungen teilweise oder ganz aufgesogen wird. Dann steigt das tatsächliche Gehalt nicht automatisch im gleichen Ausmaß wie der KV-Mindestwert. Andere Verträge oder betriebliche Regelungen gehen mit Erhöhungen anders um.

Deshalb sollten Beschäftigte nicht nur fragen: „Wie viel bekomme ich brutto?“ Besser ist: „Welche Tätigkeitsfamilie und Stufe stehen im Vertrag? Wie hoch ist das KV-Mindestgehalt? Wie hoch ist meine Überzahlung? Wird die Überzahlung bei KV-Erhöhungen angerechnet? Gibt es eine IST-Gehaltserhöhung? Gilt ein All-in?“ Diese Fragen sind nicht unangenehm, sondern professionell.

IST-Gehaltssumme: Warum nicht jede Person exakt gleich erhöht wird

Beim IT-KV-Abschluss wird neben den Mindestgehältern auch die IST-Gehaltssumme behandelt. Die IST-Gehaltssumme ist die Summe der tatsächlich bezahlten Gehälter im Betrieb beziehungsweise in der betroffenen Gruppe. Für 2026 wurde eine Erhöhung der IST-Gehaltssumme um 2,75 Prozent vereinbart. Das heißt nicht automatisch, dass jede einzelne Person exakt 2,75 Prozent mehr bekommt.

Für Arbeitnehmer:innen ist das wichtig, weil Mindestgehaltserhöhung und IST-Gehaltserhöhung zwei unterschiedliche Dinge sind. Wer nahe am KV-Mindestgehalt liegt, profitiert oft direkt von der Erhöhung der Mindesttabelle. Wer deutlich überzahlt ist, muss genauer prüfen, welche betriebliche Verteilung, Anrechnung und vertragliche Regelung gilt.

All-in-Verträge in der IT: Genau rechnen

All-in-Verträge sind in der IT verbreitet. Sie können sinnvoll sein, wenn Gehalt, Verantwortung und Überstundenrealität zusammenpassen. Sie können aber problematisch werden, wenn ein scheinbar hohes Monatsgehalt in Wahrheit viele Überstunden, Rufbereitschaft, Reisezeit, hohe Verantwortung oder Projektspitzen abdecken soll.

Wer ein All-in-Angebot erhält, sollte den Grundlohn, die Überzahlung, die erwartete Arbeitszeit, Überstundenrealität, Zeitausgleich, Rufbereitschaft, Bonus, Homeoffice, Dienstreisen und Kündigungsregelungen prüfen. Ein höheres Bruttogehalt ist nur dann wirklich gut, wenn die Belastung, Arbeitszeit und Verantwortung dazu passen.

Berufseinsteiger:innen: Nicht nur auf das erste Gehalt schauen

Für Berufseinsteiger:innen in der IT ist das erste Gehalt wichtig, aber nicht der einzige Punkt. Lernkurve, Technologien, Team, Mentoring, Codequalität, Produktnähe, Weiterbildung, Remote-Regelung und Entwicklungspfad sind mindestens genauso entscheidend. Ein etwas niedrigeres Einstiegsgehalt kann sich lohnen, wenn die Rolle sehr gute Lernchancen bietet. Ein höheres Einstiegsgehalt kann enttäuschen, wenn man isoliert, ohne Mentoring oder mit veralteten Technologien arbeitet.

Der IT-KV hilft, eine Untergrenze zu kennen. Die echte Karriere entsteht aber über Kompetenzaufbau. Wer früh gute Code Reviews, Architekturverständnis, Testing, Deployment, Security, Datenbanken und Kundennutzen lernt, erhöht später seine Verhandlungsmacht deutlich.

Senior Developer: Warum der Titel allein nicht reicht

„Senior Developer“ ist kein eigener KV-Begriff, sondern ein Markt- und Unternehmenstitel. In manchen Firmen ist Senior wirklich mit Architektur, Mentoring, kritischer Verantwortung und hoher Selbständigkeit verbunden. In anderen Firmen wird der Titel früher vergeben, ohne dass Aufgaben und Gehalt entsprechend steigen. Für die Einstufung zählt daher, was tatsächlich gemacht wird.

Wer als Senior arbeitet, sollte prüfen: Gibt es fachliche Verantwortung? Werden technische Entscheidungen getroffen? Werden andere Entwickler:innen angeleitet? Gibt es Architekturarbeit? Werden komplexe Probleme gelöst? Gibt es Kundenschnittstelle oder Produktverantwortung? Diese Punkte können eine höhere Einstufung und stärkere Überzahlung begründen.

IT-Consulting, SAP und ERP: KV allein erklärt nicht alles

In IT-Consulting, SAP, ERP, CRM und Unternehmenssoftware sind Gehälter oft stark von Kundennähe, Reisebereitschaft, Projekterfahrung, Modulwissen, Branchenwissen und Verantwortung abhängig. Der KV liefert die Mindestbasis, aber Marktgehälter können deutlich darüber liegen. Gerade SAP-Beratung, Security, Cloud-Architektur und ERP-Projektleitung sind häufig besser bezahlt als reine Einstiegsentwicklung.

Wer gezielt in diesen Bereich möchte, findet bei uns zusätzlich den Ratgeber SAP lernen und Schulungen in Österreich. Für Gehaltsvergleiche gilt: Nicht nur Programmiersprache oder Tool vergleichen, sondern Rolle, Branche, Kundenkontakt und Verantwortung.

IT-KV und kein Studium: Was Quereinsteiger:innen wissen sollten

Der IT-KV macht nicht automatisch ein Studium zur Voraussetzung für gutes Gehalt. In der IT zählen praktische Fähigkeiten, Projekte, Ausbildung, Lehre, HTL, FH, Universität, Bootcamps, Zertifikate und Berufserfahrung je nach Rolle unterschiedlich. Wer ohne Studium einsteigt, sollte besonders stark auf nachweisbare Skills achten: Portfolio, GitHub, Projektbeispiele, Zertifikate, Praktika, Lehre, HTL oder interne Weiterentwicklung.

Für Personen ohne Studium ist der IT-Bereich deshalb interessant, aber nicht einfach. Gute Gehälter entstehen nicht durch den Begriff „IT“, sondern durch gefragte Fähigkeiten. Unser Überblick gut bezahlte Berufe ohne Studium in Österreich ordnet solche Wege breiter ein.

Gehalt brutto, netto und 14 Gehälter

In Österreich werden viele Gehälter mit 14 Monatsbezügen gerechnet, wenn der Kollektivvertrag beziehungsweise Arbeitsvertrag Sonderzahlungen vorsieht. Das ist für den Vergleich wichtig. Ein Monatsbrutto aus der KV-Tabelle ist nicht dasselbe wie ein Jahresbrutto in zwölf Monatsgehältern. Wer Angebote vergleicht, sollte immer das Jahresbrutto und die Sonderzahlungen prüfen.

Für die grobe persönliche Einordnung hilft unser Beitrag Gehalt in Österreich: Brutto, Netto, KV und Sonderzahlungen. Bei IT-Gehältern gilt besonders: Bonus, All-in, Homeoffice-Pauschale, Rufbereitschaft, Firmenwagen, Diensthandy, Aktienoptionen oder Prämien sollten getrennt vom Grundgehalt betrachtet werden.

Stellenanzeigen richtig lesen

Viele Stellenanzeigen enthalten nur das gesetzlich beziehungsweise kollektivvertraglich erforderliche Mindestgehalt und den Hinweis auf Überzahlung. Das ist nicht automatisch böse Absicht, aber für Bewerber:innen wenig aussagekräftig. Wenn eine Anzeige für eine anspruchsvolle Senior-Rolle nur das KV-Mindestgehalt nennt, sollten Sie im Gespräch konkret nach Gehaltsband, Einstufung und Überzahlung fragen.

Eine gute Anzeige nennt zumindest Tätigkeitsbereich, Verantwortung, Technologien, Erfahrungsniveau, KV-Einstufung, Gehaltsband und Überzahlungsbereitschaft. Wenn nur „attraktive Überzahlung je nach Qualifikation“ steht, bleibt viel offen. Bewerber:innen sollten dann vorbereitet in die Gehaltsverhandlung gehen.

Arbeitsvertrag prüfen: Diese Punkte gehören hinein

VertragspunktWarum er wichtig ist
Anwendbarer KVIm Dienstzettel oder Arbeitsvertrag sollte klar sein, welcher Kollektivvertrag gilt.
TätigkeitsfamilieAT, ST1, ST2 oder LT beeinflussen das Mindestgrundgehalt stark.
StufeEinstiegsstufe, Regelstufe oder Erfahrungsstufe verändern den Mindestwert deutlich.
MonatsbruttoDas tatsächliche Gehalt muss klar genannt sein.
ÜberzahlungWichtig ist, ob und wie Überzahlungen bei KV-Erhöhungen angerechnet werden.
All-inNur sinnvoll, wenn Arbeitszeit, Überstunden und Abgeltung klar nachvollziehbar sind.
RufbereitschaftBei Betrieb, DevOps, Infrastruktur und Support besonders relevant.
HomeofficeRemote-Anteil, Arbeitsort, Kostenersatz und Erreichbarkeit sollten klar geregelt sein.
Bonus und PrämienVariable Bestandteile getrennt vom Fixgehalt betrachten.

Wann eine höhere Einstufung gerechtfertigt sein kann

Eine höhere Einstufung kann gerechtfertigt sein, wenn die tatsächliche Tätigkeit anspruchsvoller ist als im Vertrag beschrieben. Typische Hinweise sind mehr technische Verantwortung, eigenständige Architekturentscheidungen, Projektleitung, fachliche Führung, Kundenverantwortung, kritische Systeme, Security-Verantwortung, Bereitschaftsdienst oder eine deutlich komplexere Rolle als ursprünglich vereinbart.

Wer eine höhere Einstufung ansprechen möchte, sollte nicht nur sagen: „Ich bin Senior.“ Besser ist eine sachliche Dokumentation: Welche Aufgaben habe ich übernommen? Welche Verantwortung trage ich? Welche Entscheidungen treffe ich selbständig? Welche Systeme hängen davon ab? Welche Kolleg:innen leite ich fachlich an? Welche Marktvergleiche und KV-Merkmale sprechen dafür?

IT-KV und Elektrotechnik, Industrie oder Handel: Welcher KV gilt?

Nicht jede IT-Tätigkeit fällt automatisch unter den IT-KV. In Österreich richten sich Kollektivverträge grundsätzlich nach der Branche beziehungsweise Zuordnung des Arbeitgebers, nicht nur nach der Tätigkeit der Arbeitnehmer:innen. Ein Softwareentwickler in einem Industrieunternehmen kann daher in einem anderen Kollektivvertrag sein als eine Entwicklerin in einem IT-Dienstleistungsunternehmen.

Das ist besonders wichtig bei Industrie, Banken, Handel, Telekom, Forschung, Agenturen, Start-ups, Elektronik, Maschinenbau oder öffentlichem Dienst. Wer Gehälter vergleicht, sollte immer prüfen, welcher KV wirklich gilt. Für technische Gehaltsvergleiche kann auch unser Beitrag zum Elektrotechniker-Gehalt in Österreich hilfreich sein, wenn IT und Technik im Betrieb eng zusammenfallen.

Start-ups und IT-KV: Nicht alles ist frei verhandelbar

Start-ups wirken oft flexibler als klassische Unternehmen. Trotzdem gelten auch dort arbeitsrechtliche Mindeststandards und der passende Kollektivvertrag, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Ein junges Unternehmen kann nicht einfach unter KV zahlen, weil es noch klein ist oder mit Beteiligungen, Lernchancen oder „Mission“ wirbt.

Aktienoptionen, virtuelle Beteiligungen, Bonusmodelle oder spätere Gehaltsversprechen können attraktiv sein, ersetzen aber nicht automatisch ein korrektes Mindestgehalt. Wer in ein Start-up wechselt, sollte Fixgehalt, KV, Beteiligungsbedingungen, Vesting, Kündigung, Arbeitszeit und Risiko getrennt prüfen.

Lehrlinge und Praktikant:innen im IT-KV

Der IT-KV enthält auch Lehrlingseinkommen und Regelungen für Pflichtpraktikant:innen. Für 2026 nennt die WKO Lehrlingseinkommen von 960 Euro im ersten Lehrjahr, 1.210 Euro im zweiten Lehrjahr, 1.410 Euro im dritten Lehrjahr und 1.750 Euro im vierten Lehrjahr. Pflichtpraktikant:innen erhalten bei neu abgeschlossenen Verträgen ab 1. April 2026 während der ersten sechs Monate den Betrag des ersten Lehrjahres, danach den Betrag des zweiten Lehrjahres.

Für junge Menschen ist das wichtig, weil eine IT-Lehre ein ernstzunehmender Einstieg in die Branche sein kann. Wer danach weiterlernt, Berufspraxis sammelt, Zertifikate macht oder berufsbegleitend studiert, kann sich langfristig stark entwickeln.

Für Arbeitgeber: Warum saubere Einstufung Vertrauen schafft

Für Arbeitgeber ist die korrekte Einstufung nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern auch ein Vertrauenssignal. IT-Fachkräfte vergleichen Gehälter sehr genau. Wenn eine Rolle zu niedrig eingestuft ist oder Stellenanzeigen nur das niedrigste Mindestgehalt nennen, wirkt das schnell unprofessionell. Gerade in einem Markt mit gefragten Spezialist:innen kann transparente Gehaltskommunikation ein Vorteil sein.

Gute Arbeitgeber erklären im Recruiting klar: welcher KV gilt, welche Tätigkeitsfamilie vorgesehen ist, welches Gehaltsband realistisch ist, welche Überzahlung möglich ist und wie Entwicklungsschritte aussehen. Das spart Zeit, reduziert Missverständnisse und verbessert die Qualität der Bewerbungen.

Für Arbeitnehmer:innen: So gehen Sie in die Gehaltsverhandlung

  1. KV prüfen: Welcher Kollektivvertrag gilt im Unternehmen tatsächlich?
  2. Tätigkeit beschreiben: Nicht nur Jobtitel, sondern echte Aufgaben, Verantwortung und Komplexität sammeln.
  3. Einstufung vergleichen: AT, ST1, ST2 oder LT plus Einstiegs-, Regel- oder Erfahrungsstufe prüfen.
  4. Mindestgehalt berechnen: Monatsbrutto und Jahresbrutto mit Sonderzahlungen vergleichen.
  5. Überzahlung erkennen: Differenz zwischen KV-Mindestwert und tatsächlichem Gehalt berechnen.
  6. All-in prüfen: Arbeitszeit, Überstunden, Rufbereitschaft und Projektspitzen realistisch bewerten.
  7. Marktwert einordnen: Spezialisierung, Branche, Technologien, Verantwortung und Wechselbereitschaft berücksichtigen.
  8. Nachweise vorbereiten: Projekte, Architektur, Kundenerfolg, Mentoring, Zertifikate und Ergebnisse dokumentieren.
  9. Entwicklung ansprechen: Nicht nur mehr Gehalt, sondern klare nächste Stufe, Rolle und Verantwortung verhandeln.
  10. Beratung nutzen: Bei Unsicherheit Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Betriebsrat oder Rechtsberatung kontaktieren.

Typische Fehler beim IT-Kollektivvertrag

  • Jobtitel mit Einstufung verwechseln: „Developer“ sagt allein noch nichts über ST1 oder ST2 aus.
  • Nur Monatsgehalt vergleichen: Jahresbrutto, Sonderzahlungen und variable Bestandteile mitrechnen.
  • Überzahlung nicht verstehen: Wichtig ist, ob sie bei KV-Erhöhungen angerechnet werden kann.
  • All-in nicht prüfen: Ein höheres Gehalt kann viele Überstunden verstecken.
  • Branche ignorieren: Nicht jede IT-Tätigkeit fällt automatisch unter den IT-KV.
  • Regelstufe übersehen: Wer Berufserfahrung hat, sollte nicht automatisch mit der Einstiegsstufe verglichen werden.
  • Senior-Titel überschätzen: Für die Einstufung zählt die tatsächliche Tätigkeit.
  • Rufbereitschaft vergessen: Besonders bei DevOps, Infrastruktur und Betrieb kann sie gehaltsrelevant sein.
  • Start-up-Versprechen blind glauben: Beteiligung oder Mission ersetzt kein korrektes Mindestgehalt.
  • Keine Unterlagen sammeln: Wer eine höhere Einstufung will, braucht nachvollziehbare Aufgaben- und Verantwortungsnachweise.

Welche Branchen und Berufe direkt betroffen sind

Direkt betroffen sind IT-Dienstleister, Softwarehäuser, Systemhäuser, Cloud-Anbieter, Managed-Service-Provider, ERP- und SAP-Beratungen, Webagenturen, App-Entwickler, Cybersecurity-Unternehmen, Rechenzentren, Datenanalysefirmen, KI-Dienstleister, IT-Consultants, Projektmanager:innen, Entwickler:innen, Tester:innen, Support-Teams, DevOps-Teams und IT-Lehrlinge.

Indirekt betroffen sind Unternehmen, die IT-Fachkräfte am Markt suchen: Industrie, Handel, Banken, Versicherungen, Medien, Gesundheitswesen, Logistik, öffentliche Einrichtungen, Start-ups und Beratungsunternehmen. Der IT-KV beeinflusst Gehaltsuntergrenzen, Recruiting, Budgetplanung, Projektkosten, Outsourcing-Entscheidungen und Standortattraktivität.

Benachteiligt sind vor allem Beschäftigte, die ihre Einstufung nicht kennen, Stellenanzeigen unkritisch lesen oder Überzahlungen falsch verstehen. Auch Arbeitgeber verlieren, wenn sie Einstufungen unklar halten: Gute Kandidat:innen springen ab, bestehende Mitarbeitende vergleichen intern und extern, und Gehaltsgespräche werden unnötig konfliktanfällig.

IT-KV als Karrierekompass nutzen

Der IT-Kollektivvertrag ist mehr als eine Mindesttabelle. Er kann ein Karrierekompass sein. Wer versteht, welche Tätigkeitsfamilie zur eigenen Rolle passt, erkennt leichter, welche nächsten Schritte sinnvoll sind: mehr Verantwortung, andere Technologien, Architektur, Kundenkontakt, Projektleitung, Mentoring, Security, Cloud, Data oder Produktverantwortung.

Für viele IT-Fachkräfte ist der nächste Gehaltssprung nicht nur eine Frage der Forderung, sondern der Rolle. Wer von reiner Umsetzung zu Konzeption, Verantwortung und komplexeren Entscheidungen kommt, kann stärker argumentieren. Für Unternehmen ist das ebenfalls hilfreich: Klare Rollenpfade halten gute Leute länger im Betrieb.

Was ist der IT-Kollektivvertrag in Österreich?

Der IT-Kollektivvertrag regelt Mindestgehälter und wichtige Rahmenbedingungen für Angestellte in Unternehmen der Informationstechnologie beziehungsweise Datenverarbeitung und Informationstechnik. Er legt unter anderem Tätigkeitsfamilien, Stufen, Mindestgrundgehälter, Lehrlingseinkommen und Zulagen fest.

Was bedeutet ST1 im IT-KV?

ST1 steht für Spezielle Tätigkeiten 1. In der Praxis betrifft das qualifizierte IT-Tätigkeiten, die über einfache Routinearbeit hinausgehen und spezielles Fachwissen verlangen. Die genaue Einstufung hängt von der tatsächlichen Tätigkeit ab.

Was bedeutet ST2 im IT-KV?

ST2 steht für Spezielle Tätigkeiten 2. Diese Tätigkeitsfamilie ist meist für komplexere, verantwortungsvollere oder stärker spezialisierte IT-Aufgaben relevant, etwa Architektur, anspruchsvolle Entwicklung, technische Verantwortung oder besondere Problemlösung.

Was ist die Regelstufe im IT-KV?

Die Regelstufe ist eine Gehaltsstufe innerhalb einer Tätigkeitsfamilie. Sie ist für viele Beschäftigte mit Berufserfahrung wichtiger als die Einstiegsstufe, weil sie näher an einer eingearbeiteten Rolle liegt.

Was ist der Unterschied zwischen KV-Gehalt und IST-Gehalt?

Das KV-Gehalt ist das kollektivvertragliche Mindestgehalt bei korrekter Einstufung. Das IST-Gehalt ist das tatsächlich bezahlte Gehalt. In der IT liegt das IST-Gehalt häufig über dem KV-Mindestwert.

Was bedeutet Überzahlung im IT-KV?

Überzahlung bedeutet, dass das tatsächliche Gehalt über dem kollektivvertraglichen Mindestgehalt liegt. Wichtig ist, ob diese Überzahlung bei künftigen KV-Erhöhungen angerechnet werden kann oder ob sie zusätzlich steigt.

Fällt jeder Softwareentwickler automatisch unter den IT-KV?

Nein. Der anwendbare Kollektivvertrag hängt in Österreich grundsätzlich von der Branche beziehungsweise Zuordnung des Arbeitgebers ab. Softwareentwickler:innen in Industrie, Handel, Bank, öffentlichem Dienst oder IT-Dienstleistung können unterschiedlichen Kollektivverträgen unterliegen.

Ist ST2 automatisch ein Senior Developer?

Nein. Senior Developer ist kein eigener KV-Begriff. Für ST2 zählen tatsächliche Aufgaben, Komplexität, Verantwortung, Selbständigkeit und Spezialwissen. Ein Senior-Titel allein reicht nicht als Begründung.

Warum nennen Stellenanzeigen oft nur das KV-Mindestgehalt?

Viele Anzeigen erfüllen damit eine rechtliche Informationspflicht und ergänzen den Hinweis auf Überzahlung. Für Bewerber:innen ist das Mindestgehalt allein aber wenig aussagekräftig, wenn Rolle, Gehaltsband, Einstufung und Überzahlung nicht klar beschrieben sind.

Wie prüfe ich meine IT-KV-Einstufung?

Prüfen Sie den anwendbaren Kollektivvertrag, Ihre Tätigkeitsfamilie, Stufe, tatsächlichen Aufgaben, Berufserfahrung, Verantwortung und Vertragsangaben. Bei Unsicherheit können Betriebsrat, Arbeiterkammer, Gewerkschaft oder eine arbeitsrechtliche Beratung helfen.

Quellen und weiterführende Informationen

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