Teilzeit-Rekorddebatte: Was Österreich aus der Diskussion in Deutschland lernen kann

Teilzeit Arbeit - Diskussion in Österreich und Deutschland
Teilzeit Arbeit - Diskussion in Österreich und Deutschland

Deutschland diskutiert nach einem LinkedIn-News-Beitrag von Nele Behrens über ein neues Teilzeit-Rekordhoch: 2025 arbeiteten dort 31,9 Prozent der abhängig Beschäftigten in Teilzeit.

Die parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Bundeswirtschaftsministerium, Gitta Connemann, kritisierte Teilzeit laut LinkedIn-News scharf als „Wachstumsbremse“. Für Österreich ist die Debatte hoch relevant, weil die Teilzeitquote hier ebenfalls sehr hoch ist: Laut Statistik Austria arbeiteten 2025 49,8 Prozent der Frauen und 14,0 Prozent der Männer in Teilzeit. Die Frage lautet daher nicht nur: Arbeiten Menschen zu wenig? Sondern: Warum ist Erwerbsarbeit in Österreich so ungleich verteilt?

Für Branchen, Betriebe und Beschäftigte ist Teilzeit kein Randthema. Sie betrifft Fachkräftemangel, Gehälter, Pensionen, Führung, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Produktivität und die Frage, wie Arbeit in Zukunft organisiert wird.

Wer Arbeitszeit und Einkommen einordnet, sollte auch bestehende Gehaltsvergleiche kennen, etwa die GÖD-Gehaltstabelle im öffentlichen Dienst, das Lehrer-Gehalt in Österreich, das DGKP-Gehalt in Österreich und gut bezahlte Berufe ohne Studium. Denn Teilzeit wirkt immer auch auf Lebenseinkommen, Karriere und Altersabsicherung.

Teilzeit in Österreich: Warum die Debatte mehr Differenzierung braucht

Kennzahl / PerspektiveAktuelle Einordnung
Österreich: Teilzeitquote Männer2025 lag die Teilzeitquote der Männer laut Statistik Austria bei 14,0 Prozent. Gegenüber 2024 war das ein Plus von 0,3 Prozentpunkten.
Österreich: Teilzeitquote Frauen2025 lag die Teilzeitquote der Frauen bei 49,8 Prozent. Gegenüber 2024 war das ein Rückgang um 1,3 Prozentpunkte.
Österreich: TeilzeitstundenTeilzeitbeschäftigte arbeiteten 2025 im Schnitt 21,8 Normalarbeitsstunden pro Woche. Das war leicht mehr als 2024.
Deutschland: Teilzeitquote 2025In Deutschland arbeiteten 2025 laut Destatis 31,9 Prozent der abhängig Beschäftigten in Teilzeit. Das war ein neuer Höchststand.
Deutschland: Frauen und Männer2025 arbeiteten in Deutschland 50,6 Prozent der Frauen und 14,3 Prozent der Männer in Teilzeit. Beide Werte erreichten laut Destatis neue Höchststände.
Deutschland: ElternBei erwerbstätigen Müttern mit Kindern unter 18 Jahren lag die Teilzeitquote 2025 bei 66,4 Prozent, bei Vätern nur bei 8,6 Prozent.
Österreich: FamilienperspektiveStatistik Austria weist für 2025 eine Erwerbstätigenquote von 79,3 Prozent bei Frauen mit Kindern unter 15 Jahren und 91,7 Prozent bei Männern mit Kindern unter 15 Jahren aus.
HauptkonfliktTeilzeit wird einerseits als Fachkräfte- und Wachstumsproblem diskutiert, andererseits als Folge von Betreuung, Care-Arbeit, Gesundheit, Alter, Arbeitskultur und Lebensphasen.

Der deutsche Aufreger als Bezugspunkt

Der LinkedIn-News-Beitrag von Nele Behrens fasste die aktuelle deutsche Debatte pointiert zusammen: So viele Menschen wie nie zuvor arbeiteten 2025 in Teilzeit, fast jede:r dritte abhängig Beschäftigte. Gleichzeitig arbeiten Teilzeitbeschäftigte im Schnitt mehr Stunden als vor zehn Jahren. Die Debatte entzündete sich daran, ob Teilzeit ein Zeichen moderner Arbeitsgestaltung oder ein Problem für Wachstum, Fachkräfte und Produktivität ist.

Besonders stark wurde diskutiert, weil der Begriff „Wachstumsbremse“ schnell polarisiert. Für die einen beschreibt er ein reales volkswirtschaftliches Problem: Wenn viele Menschen weniger Stunden arbeiten, fehlt Arbeitsvolumen. Für die anderen blendet er aus, warum Menschen Teilzeit wählen oder wählen müssen: Kinderbetreuung, Pflege, Gesundheit, Erschöpfung, Alter, schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende Ganztagsangebote oder ungleiche Einkommen in Partnerschaften.

Warum Österreich die Debatte nicht einfach aus Deutschland kopieren sollte

Österreich hat ähnliche Teilzeitmuster, aber eigene Rahmenbedingungen. Die Teilzeitquote von Frauen ist extrem hoch, jene von Männern steigt von niedrigerem Niveau. Gleichzeitig ist Österreich im EU-Vergleich seit Jahren eines der Länder mit besonders hoher Teilzeitquote. Wer daher nur auf Deutschland schaut, übersieht: In Österreich ist die Debatte längst kein Importthema, sondern ein Kernproblem des Arbeitsmarkts.

Die österreichische Diskussion muss aber nüchtern bleiben. Teilzeit ist nicht automatisch Faulheit, Luxus oder Lifestyle. Teilzeit ist oft eine Antwort auf reale Lebensumstände. Gleichzeitig wäre es zu einfach, jede Teilzeitentscheidung nur als strukturellen Zwang zu erklären. Manche Menschen wollen bewusst weniger arbeiten. Andere würden gerne mehr arbeiten, können aber wegen Betreuung, Pflege, Gesundheit, Pendeln oder Arbeitsbedingungen nicht. Genau diese Unterschiede entscheiden darüber, welche politischen und betrieblichen Antworten sinnvoll sind.

Perspektive 1: Wirtschaft und Fachkräfte

Aus Sicht der Wirtschaft ist Teilzeit ein echtes Arbeitsvolumen-Thema. Wenn viele Beschäftigte weniger Stunden arbeiten, fehlen in Summe Arbeitsstunden. Das trifft besonders Branchen mit Personalmangel: Pflege, Gesundheit, Bildung, Handel, Gastronomie, Tourismus, Technik, öffentlicher Dienst und Kinderbetreuung. Dort kann jede zusätzliche Stunde relevant sein.

Die betriebliche Sicht ist deshalb nachvollziehbar: Unternehmen suchen Personal, finden aber nicht genug Vollzeitkräfte. Dienstpläne werden schwieriger. Führungskräfte müssen mehr Personen koordinieren. Teams werden fragmentierter. Gleichzeitig steigen Lohnnebenkosten, Einschulungsaufwand und Abstimmungsbedarf. Teilzeit kann organisatorisch gut funktionieren, aber sie braucht Planung.

Perspektive 2: Gleichstellung und Care-Arbeit

Die stärkste Gegenperspektive lautet: Teilzeit ist nicht geschlechtsneutral. In Österreich wie in Deutschland arbeiten Frauen deutlich häufiger Teilzeit als Männer. Das hängt eng mit Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushaltsarbeit, Mental Load und Einkommen in Partnerschaften zusammen. Wenn ein Elternteil reduziert, ist es statistisch sehr oft die Frau.

Das hat langfristige Folgen: niedrigere Einkommen, weniger Karrierechancen, geringere Pensionsansprüche und höhere Abhängigkeit vom Partnereinkommen. Wer Teilzeit als Wachstumsbremse kritisiert, muss daher auch fragen: Wer übernimmt unbezahlte Arbeit? Wer organisiert Kindertermine, Pflege, Haushalt, Schule, Arztbesuche und Notfälle? Ohne Antwort auf diese Fragen wird die Debatte schnell unfair.

Perspektive 3: Kinderbetreuung und Ganztagsstrukturen

Ein zentraler Hebel ist Kinderbetreuung. Viele Eltern können ihre Arbeitszeit nur erhöhen, wenn Betreuung verlässlich, ganztägig, leistbar und qualitativ gut ist. Das betrifft Kindergarten, Schule, Ferien, Randzeiten und Notfallsituationen. Gerade in Österreich unterscheiden sich Angebote regional stark.

Für Betriebe bedeutet das: Sie können Teilzeit nicht allein mit Appellen lösen. Wer mehr Stunden will, braucht Rahmenbedingungen. Dazu zählen planbare Dienstpläne, familienfreundliche Arbeitszeiten, betriebliche Betreuungslösungen, Homeoffice dort, wo es sinnvoll ist, und eine Kultur, in der auch Väter reduzieren dürfen, ohne Karriereeinbußen zu befürchten.

Perspektive 4: Pension und Lebenseinkommen

Teilzeit wirkt langfristig. Wer jahrelang weniger verdient, zahlt weniger in die Pension ein, baut weniger Vermögen auf und hat weniger Spielraum bei Trennung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit. Besonders für Frauen kann Teilzeit zur Armutsfalle werden, wenn sie dauerhaft niedriges Einkommen, unterbrochene Erwerbsbiografien und geringe Pensionsansprüche kombiniert.

Die Debatte sollte daher nicht moralisch geführt werden, sondern finanziell ehrlich. Teilzeit kann sinnvoll sein, wenn sie bewusst, zeitlich begrenzt und partnerschaftlich geplant ist. Problematisch wird sie, wenn sie zur Dauerlösung wird, ohne dass Paare, Arbeitgeber oder Politik die Folgen offen ansprechen.

Perspektive 5: Arbeitgeber und Führungskultur

Viele Betriebe behandeln Teilzeit noch immer als Ausnahme oder als Karrierebremse. Das führt dazu, dass qualifizierte Beschäftigte zwar gehalten werden, aber bei Entwicklung, Führung und Verantwortung weniger berücksichtigt werden. Gerade Frauen landen dadurch häufig in gut gemeinten, aber begrenzenden Arbeitszeitmodellen.

Moderne Arbeitgeber müssen Teilzeit anders organisieren: klare Aufgaben, messbare Ergebnisse, Jobsharing, Führungsrollen in Teilzeit, bessere Übergaben und weniger Präsenzkultur. Wer Teilzeit nur duldet, verliert Potenzial. Wer Teilzeit professionell gestaltet, kann Fachkräfte halten und Produktivität sichern.

Perspektive 6: Männer, Väter und neue Normalität

Eine der wichtigsten Perspektiven in der LinkedIn-Diskussion ist die Rolle der Männer. Solange Teilzeit vor allem weiblich bleibt, ändert sich an der Ungleichverteilung wenig. Wenn Väter ihre Arbeitszeit reduzieren, Care-Arbeit übernehmen und Arbeitgeber das akzeptieren, wird Teilzeit weniger zur Frauenfalle und mehr zu einem partnerschaftlichen Modell.

Das ist wirtschaftlich ambivalent. Kurzfristig reduziert auch Männerteilzeit Arbeitsvolumen. Langfristig kann sie aber Frauen ermöglichen, mehr zu arbeiten, Karriere zu machen und Einkommen aufzubauen. Für die Volkswirtschaft ist die Frage daher nicht nur, ob mehr oder weniger Teilzeit entsteht, sondern ob Erwerbsarbeit und Sorgearbeit fairer verteilt werden.

Warum „mehr Vollzeit“ allein nicht reicht

Die Forderung nach mehr Vollzeit klingt einfach, löst aber nicht automatisch die Ursachen. Wer Menschen zu mehr Stunden motivieren will, muss prüfen, warum sie nicht mehr arbeiten. Sind es fehlende Betreuungsplätze? Zu hohe Grenzbelastung? Schlechte Dienstpläne? Pendelzeiten? Gesundheit? Erschöpfung? Fehlende Aufstiegschancen? Niedrige Löhne? Oder der Wunsch nach mehr Lebensqualität?

Je nach Ursache braucht es andere Antworten. Bei Betreuung braucht es Infrastruktur. Bei niedrigen Löhnen braucht es bessere Anreize. Bei schlechten Arbeitsbedingungen braucht es Führung und Organisation. Bei älteren Beschäftigten braucht es Gesundheitsmanagement und flexible Übergänge. Bei freiwilliger Teilzeit braucht es eine ehrliche Diskussion über individuelle Freiheit und gesellschaftliches Arbeitsvolumen.

Welche Branchen in Österreich besonders betroffen sind

Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Frauenanteil, hohem Teilzeitanteil oder starkem Personalmangel. Dazu zählen Handel, Pflege, Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung, Tourismus, Gastronomie, Reinigung, Büro- und Verwaltungsberufe, soziale Dienste und Teile des öffentlichen Dienstes. Dort ist Teilzeit oft strukturell eingebaut.

Technische Branchen haben andere Probleme. Dort ist Teilzeit weniger verbreitet, aber Fachkräftemangel und Vollzeitkultur sind stark. Wenn mehr Frauen in Technik, Energie, Elektrotechnik, IT oder Industrie arbeiten sollen, müssen diese Branchen bessere Einstiegs-, Teilzeit- und Vereinbarkeitsmodelle bieten. Sonst bleibt das Potenzial ungenutzt.

Welche Branchen direkt profitieren

Direkt profitieren können Anbieter von Kinderbetreuung, Pflege- und Betreuungsdiensten, HR-Beratung, Arbeitszeitberatung, Jobsharing-Beratung, Personalsoftware, Dienstplan-Tools, Lohnverrechnung, Arbeitsrechtsberatung, Weiterbildung, Karriereberatung und Diversity-Beratung. Auch Unternehmen, die Teilzeit professionell organisieren, können im Recruiting profitieren.

Ein weiteres Feld sind Bildungsanbieter. Wer Teilzeitkräfte zu mehr Stunden bringen will, muss Qualifizierung, Wiedereinstieg und Karrierepfade ermöglichen. Besonders relevant sind Programme für Wiedereinsteiger:innen, Pflegekräfte, Pädagog:innen, Handelsmitarbeitende, Verwaltungskräfte und technische Quereinsteiger:innen.

Welche Branchen indirekt profitieren

Indirekt profitieren Branchen, die Arbeit effizienter machen: Digitalisierung, Automatisierung, Prozessberatung, IT, Gebäudetechnik, E-Learning, Personalplanung und Unternehmensberatung. Wenn Arbeitsstunden knapp bleiben, steigt der Druck, vorhandene Stunden besser zu nutzen.

Auch öffentliche Arbeitgeber und große Organisationen können profitieren, wenn sie Teilzeit nicht nur verwalten, sondern strategisch einsetzen. Gerade Schulen, Spitäler, Pflegeeinrichtungen, Gemeinden und Verwaltungen brauchen Modelle, die Verlässlichkeit und Flexibilität verbinden.

Wer benachteiligt sein kann

Benachteiligt sind vor allem Personen, die unfreiwillig in Teilzeit arbeiten oder wegen Betreuung und Pflege nicht aufstocken können. Dazu kommen Beschäftigte in kleinen Betrieben ohne flexible Modelle, Alleinerziehende, ältere Beschäftigte mit gesundheitlichen Einschränkungen und Menschen in Regionen mit schlechter Betreuung oder langen Pendelwegen.

Auch Betriebe können benachteiligt sein. Kleine Unternehmen haben weniger Spielraum, mehrere Teilzeitkräfte zu koordinieren, Ausfälle abzufedern oder Jobsharing-Modelle aufzubauen. Wenn Politik nur Appelle sendet, aber keine Infrastruktur schafft, bleibt die Last bei Betrieben und Familien hängen.

Was die Diskussion in Österreich konkret verbessern könnte

  • Teilzeitgründe sauber trennen: Freiwillige Teilzeit, Betreuung, Pflege, Gesundheit, Ausbildung, Alter und fehlende Vollzeitstellen brauchen unterschiedliche Antworten.
  • Betreuung ausbauen: Ganztagsangebote, Ferienbetreuung, Randzeiten und verlässliche Qualität sind zentrale Arbeitsmarktpolitik.
  • Väter stärker einbinden: Teilzeit darf nicht fast ausschließlich weiblich bleiben.
  • Aufstockung erleichtern: Beschäftigte, die mehr Stunden arbeiten wollen, brauchen echte Angebote.
  • Karriere in Teilzeit ermöglichen: Führung, Projektverantwortung und Weiterbildung dürfen nicht an Vollzeitpräsenz hängen.
  • Lebenseinkommen sichtbar machen: Teilzeitentscheidungen sollten mit Pension, Vermögen und Absicherung zusammengedacht werden.
  • Arbeitsbedingungen verbessern: In belastenden Branchen ist Teilzeit oft ein Schutzmechanismus gegen Überforderung.
  • Produktivität statt nur Stunden zählen: Mehr Arbeitszeit hilft nur, wenn Organisation und Prozesse stimmen.

Diskussionspunkte für Unternehmen

Unternehmen sollten Teilzeit nicht nur als Problem oder Benefit betrachten. Sie sollten wissen, wie Teilzeit im eigenen Betrieb wirkt: Wo fehlen Stunden? Wo funktioniert Teilzeit gut? Wo entstehen Übergabeprobleme? Welche Beschäftigten würden gerne aufstocken? Welche Führungskräfte verhindern flexible Modelle? Welche Prozesse hängen zu stark an einzelnen Personen?

Die beste Diskussion beginnt mit Daten. Wie viele Personen arbeiten Teilzeit? Wie viele davon freiwillig? Wie viele wegen Betreuung? Wie viele würden bei besseren Bedingungen mehr arbeiten? Wie wirkt Teilzeit auf Krankenstand, Fluktuation, Produktivität und Kundenzufriedenheit? Wer diese Fragen stellt, kommt weiter als mit pauschaler Kritik.

Diskussionspunkte für Politik

Politisch ist Teilzeit eine Schnittstelle aus Arbeitsmarkt-, Familien-, Bildungs-, Steuer-, Pensions- und Standortpolitik. Österreich kann das Thema nicht allein über moralische Appelle lösen. Wer mehr Arbeitsvolumen will, muss Betreuung, Pflege, Zuverdienstanreize, Ganztagsschule, Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und Gleichstellung gemeinsam betrachten.

Gleichzeitig braucht die Debatte Ehrlichkeit: Eine alternde Gesellschaft kann nicht unbegrenzt weniger Arbeitsstunden leisten, wenn gleichzeitig Pflege, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur mehr Personal brauchen. Die Lösung liegt aber nicht in Schuldzuweisungen, sondern in besseren Rahmenbedingungen für mehr freiwillige, faire und produktive Erwerbsarbeit.

Stimmen und Einordnungen

  • Nele Behrens: Der LinkedIn-News-Beitrag stellt die deutsche Rekorddebatte dar und fragt ausdrücklich, wie Leser:innen zur Teilzeit stehen. (LinkedIn News DACH, 28. Mai 2026)
  • Gitta Connemann: Die deutsche parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium kritisierte das Teilzeit-Rekordhoch laut LinkedIn-News scharf als „Wachstumsbremse“. (LinkedIn News DACH, 28. Mai 2026)
  • Bundesarbeitsministerium Deutschland: Das Ministerium betonte laut LinkedIn-News, dass der Anstieg der Teilzeit im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig sei. (LinkedIn News DACH, 28. Mai 2026)
  • Manuela Lenk: Die fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria ordnete 2024 ein, dass immer mehr Beschäftigte in Österreich Teilzeit arbeiten und auch das durchschnittliche Stundenausmaß gestiegen ist. (Statistik Austria, 18. Dezember 2025)

Fazit: Österreich braucht keine Anti-Teilzeit-Kampagne, sondern bessere Arbeitszeitpolitik

Die deutsche Debatte rund um das Teilzeit-Rekordhoch zeigt, wie schnell Arbeitszeit politisch aufgeladen wird. Für Österreich wäre eine reine Anti-Teilzeit-Kampagne zu kurz gegriffen. Teilzeit ist einerseits ein reales Problem für Arbeitsvolumen, Fachkräfte, Pensionen und Karrierechancen. Andererseits ist sie für viele Menschen notwendig, weil Betreuung, Pflege, Gesundheit und Arbeitsbedingungen Vollzeit kaum zulassen.

Die bessere Frage lautet daher nicht: Ist Teilzeit gut oder schlecht? Sondern: Welche Teilzeit ist freiwillig, welche erzwungen, welche fair verteilt und welche wirtschaftlich problematisch? Wenn Österreich diese Unterschiede ernst nimmt, kann die Debatte produktiver werden als in Deutschland: weniger Empörung, mehr Daten, bessere Betreuung, faire Aufteilung und Arbeitsmodelle, die zu modernen Lebensrealitäten passen.

FAQ zur Teilzeit-Debatte in Österreich und Deutschland

Warum wird in Deutschland gerade über Teilzeit diskutiert?

Deutschland erreichte 2025 laut Destatis mit 31,9 Prozent Teilzeitquote unter abhängig Beschäftigten einen neuen Höchststand. Der LinkedIn-News-Beitrag von Nele Behrens griff die Kritik daran auf und stellte die Frage, ob Teilzeit eine Wachstumsbremse ist oder Ausdruck moderner Arbeitsmodelle.

Wie hoch ist die Teilzeitquote in Österreich 2025?

Laut Statistik Austria lag die Teilzeitquote 2025 bei Männern bei 14,0 Prozent und bei Frauen bei 49,8 Prozent. Die durchschnittliche Normalarbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten lag bei 21,8 Stunden pro Woche.

Ist Teilzeit in Österreich höher als in Deutschland?

Österreich und Deutschland liegen beide sehr hoch. Deutschland meldete 2025 bei abhängig Beschäftigten 31,9 Prozent Teilzeit. Österreich wird im EU-Vergleich seit Jahren als Land mit besonders hoher Teilzeitquote eingeordnet, besonders bei Frauen.

Warum arbeiten Frauen viel häufiger Teilzeit?

Hauptgründe sind Betreuung von Kindern, Pflege von Angehörigen, ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit, Einkommensunterschiede in Partnerschaften und Arbeitsmodelle, die Vollzeit mit Familie schwer vereinbar machen.

Ist Teilzeit schlecht für die Wirtschaft?

Teilzeit reduziert das verfügbare Arbeitsvolumen, wenn viele Beschäftigte weniger Stunden arbeiten. Das kann Fachkräftemangel verschärfen. Gleichzeitig kann Teilzeit Menschen im Arbeitsmarkt halten, die sonst gar nicht arbeiten könnten.

Ist Teilzeit schlecht für Beschäftigte?

Nicht automatisch. Teilzeit kann sinnvoll sein, wenn sie freiwillig und finanziell abgesichert ist. Problematisch wird sie, wenn sie dauerhaft zu niedrigem Einkommen, geringeren Karrierechancen und niedrigeren Pensionsansprüchen führt.

Was können Arbeitgeber gegen unfreiwillige Teilzeit tun?

Arbeitgeber können Aufstockungsmöglichkeiten anbieten, Dienstpläne verbessern, Führung in Teilzeit ermöglichen, Jobsharing nutzen, Väter aktiv einbinden und Teilzeitkräfte nicht automatisch bei Karriere und Weiterbildung übergehen.

Was kann die Politik tun?

Wichtig sind bessere Kinderbetreuung, Ganztagsschulen, Ferienbetreuung, Pflegeangebote, steuerliche Anreize für mehr Erwerbsarbeit, faire Pensionsinformation und Rahmenbedingungen, die partnerschaftliche Arbeitszeitmodelle erleichtern.

Welche Branchen betrifft Teilzeit besonders?

Besonders betroffen sind Handel, Pflege, Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung, Tourismus, Gastronomie, Reinigung, soziale Dienste und Teile des öffentlichen Dienstes. Dort arbeiten viele Frauen und viele Teilzeitkräfte.

Was ist die wichtigste Lehre aus der deutschen Debatte?

Österreich sollte Teilzeit nicht pauschal verurteilen, sondern Ursachen unterscheiden. Freiwillige Teilzeit, erzwungene Teilzeit, Care-Arbeit, Alter, Gesundheit und schlechte Arbeitsbedingungen brauchen unterschiedliche Lösungen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • LinkedIn News DACH: Der Beitrag von Nele Behrens vom 28. Mai 2026 ist der direkte Diskussionsanlass und fasst die deutsche Kritik am neuen Teilzeit-Rekordhoch zusammen. LinkedIn News: Kritik am neuen Teilzeit-Rekordhoch
  • Statistisches Bundesamt Deutschland: Destatis liefert die deutschen Vergleichsdaten für 2025, darunter 31,9 Prozent Teilzeitquote unter abhängig Beschäftigten, 50,6 Prozent bei Frauen und 14,3 Prozent bei Männern. Destatis zu Teilzeit und Wochenarbeitszeit 2025
  • Statistik Austria: Die österreichische Teilzeitseite liefert aktuelle Jahreswerte für 2025, darunter 14,0 Prozent Teilzeitquote bei Männern, 49,8 Prozent bei Frauen und 21,8 Normalarbeitsstunden bei Teilzeit. Statistik Austria zu Teilzeitarbeit und Teilzeitquote
  • Statistik Austria: Die Familien- und Erwerbstätigkeitsseite ordnet Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeit von Frauen und Männern mit Kindern ein und liefert aktuelle Werte für 2025. Statistik Austria zu Familie und Erwerbstätigkeit
  • Statistik Austria: Die Pressemitteilung zur Normalarbeitszeit zeigt, dass Teilzeitbeschäftigte 2024 im Schnitt 21,7 Stunden arbeiteten und dass das Stundenausmaß gegenüber 2014 gestiegen ist. Statistik Austria zur wöchentlichen Normalarbeitszeit
  • Wirtschaftskammer Österreich: Die WKO ordnet Teilzeit aus Unternehmenssicht ein und verweist auf die hohe österreichische Teilzeitquote sowie arbeitsmarktpolitische und betriebliche Herausforderungen. WKO-Position zu Teilzeit in Österreich

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