Ganzjahresreifen Österreich 2026: Erlaubt, sinnvoll oder Risiko?

Ganzjahresreifen in Österreich - Vorteile, Nachteile, Chancen nutzen
Ganzjahresreifen in Österreich - Vorteile, Nachteile, Chancen nutzen

Ganzjahresreifen sind in Österreich grundsätzlich erlaubt, aber nicht automatisch die beste Lösung. Entscheidend sind Kennzeichnung, Mindestprofiltiefe, Fahrprofil, Winterregion, Auslandsfahrten, Fahrzeuggewicht und die Frage, ob das Auto im Winter wirklich auf Schnee, Eis oder Schneematsch unterwegs ist. Für Pkw und leichte Lkw bis 3,5 Tonnen gilt von 1. November bis 15. April eine situative Winterausrüstungspflicht: Bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen müssen gesetzlich ausreichende Winterreifen auf allen Rädern montiert sein. Ganzjahresreifen können diese Pflicht erfüllen, wenn sie als Winterreifen gelten und genug Profil haben.

In unserem Branchenblatt-Ratgeber zeigen wir, wann Ganzjahresreifen in Österreich sinnvoll sind, wann echte Sommer- und Winterreifen besser bleiben, welche Fehler beim Kauf passieren und worauf Firmen, Pendler:innen, Familien, E-Auto-Fahrer:innen und Autohäuser achten sollten.

FrageAntwort für Österreich 2026 – was gilt?
Sind Ganzjahresreifen erlaubt?Ja, grundsätzlich. Im Winter gelten sie aber nur dann als ausreichende Winterausrüstung, wenn sie die passende Kennzeichnung haben und die Mindestprofiltiefe erfüllen.
Welche Kennzeichnung zählt?In Österreich werden M+S, M.S. oder M&S sowie Reifen mit Schneeflockenzeichen beziehungsweise Alpine-Symbol als Winterreifenkennzeichnung genannt.
Welche Profiltiefe gilt?Bei Pkw und Lkw bis 3,5 Tonnen mindestens 4 mm bei Radialreifen und 5 mm bei Diagonalreifen, wenn der Reifen als Winterreifen verwendet wird.
Wann gilt die Winterreifenpflicht?Für Pkw und leichte Lkw bis 3,5 Tonnen von 1. November bis 15. April nur bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen wie Schnee, Schneematsch oder Eis.
Reicht M+S immer?Für Österreich kann M+S weiterhin relevant sein. Für Fahrten nach Deutschland ist seit 1. Oktober 2024 das Alpine-Symbol besonders wichtig.
Für wen sind Ganzjahresreifen sinnvoll?Vor allem für Stadtfahrzeuge, wenige Jahreskilometer, milde Regionen, Zweitautos und flexible private Nutzung.
Für wen eher nicht?Für Vielfahrer:innen, Alpenstrecken, Skigebiete, schwere Fahrzeuge, Außendienst, Lieferverkehr und häufige Auslandsfahrten.
HauptvorteilKein saisonaler Reifenwechsel, keine Einlagerung, weniger Aufwand und planbare Kosten.
HauptrisikoGanzjahresreifen bleiben ein Kompromiss: nicht so spezialisiert wie gute Winterreifen auf Schnee und nicht so stark wie gute Sommerreifen bei Hitze.

Ganzjahresreifen in Österreich: Erlaubt, aber nicht für jedes Fahrprofil ideal

Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, sollen Sommer- und Winterreifen ersetzen. Das klingt praktisch: ein Satz Reifen für das ganze Jahr, keine Werkstatttermine im Herbst und Frühling, keine Einlagerung und weniger Organisationsaufwand. Für viele private Fahrzeuge kann das tatsächlich sinnvoll sein. Trotzdem sollte die Entscheidung nicht nur über Bequemlichkeit getroffen werden.

Der wichtigste Punkt ist Ihr tatsächlicher Alltag. Ein Kleinwagen in Wien, Graz, Linz oder einer milden Region mit wenigen Kilometern pro Jahr hat andere Anforderungen als ein Pendlerauto in der Steiermark, Tirol, Salzburg, Kärnten oder Vorarlberg. Ein Firmenwagen im Außendienst ist anders zu bewerten als ein Zweitauto, das bei Schnee stehen bleiben kann. Ein E-Auto mit hohem Drehmoment und schwerer Batterie stellt andere Anforderungen als ein leichter Stadtwagen.

Die Rechtslage: Wann Ganzjahresreifen als Winterreifen zählen

In Österreich gilt für Pkw und leichte Lkw bis 3,5 Tonnen keine starre Pflicht, den ganzen Winter über Winterreifen montiert zu haben. Die Pflicht ist situativ. Im Zeitraum 1. November bis 15. April dürfen diese Fahrzeuge bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen wie Schnee, Schneematsch oder Eis nur mit passender Winterausrüstung in Betrieb genommen werden.

Ganzjahresreifen können diese Anforderung erfüllen, wenn sie rechtlich als Winterreifen gelten. Dafür brauchen sie eine passende Kennzeichnung und die richtige Mindestprofiltiefe. Wenn ein Ganzjahresreifen zwar am Auto montiert ist, aber nur noch 3 mm Profil hat, reicht er bei winterlichen Bedingungen für die österreichische Winterreifenpflicht nicht mehr aus. Vertiefend erklären wir die allgemeine Regel in unserem Beitrag zur Winterreifenpflicht in Österreich.

M+S, Schneeflocke, Alpine-Symbol: Was am Reifen stehen sollte

Für Österreich nennt oesterreich.gv.at als Winterreifenkennzeichnung M+S, M.S. oder M&S sowie Reifen mit zusätzlichem oder ausschließlichem Schneeflockenzeichen. In der Praxis sollten Käufer:innen heute besonders auf moderne Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol achten. Das Alpine-Symbol ist das Bergpiktogramm mit Schneeflocke und zeigt, dass der Reifen nach einem standardisierten Verfahren auf winterliche Eigenschaften geprüft wurde.

Der Unterschied ist besonders bei Auslandsfahrten wichtig. In Deutschland dürfen seit 1. Oktober 2024 bei winterlichen Straßenverhältnissen nur noch Reifen mit Alpine-Symbol als Winterreifen verwendet werden. Ein reiner M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol kann daher bei Fahrten nach Deutschland problematisch sein, auch wenn in Österreich andere Kennzeichnungsregeln relevant sind.

Mindestprofiltiefe: 4 mm sind die entscheidende Grenze

Bei Pkw und leichten Lkw bis 3,5 Tonnen brauchen Winterreifen in Österreich mindestens 4 mm Profiltiefe bei Radialreifen und 5 mm bei Diagonalreifen. Das gilt auch für Ganzjahresreifen, wenn sie als Winterreifen verwendet werden. Sommerreifen brauchen zwar nur 1,6 mm, aber diese Grenze hilft im Winter nicht weiter. Ein Ganzjahresreifen mit 3 mm Profil kann rechtlich und praktisch zum Problem werden, wenn Schnee, Schneematsch oder Eis auf der Fahrbahn liegen.

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Für Leser:innen ist wichtig: 4 mm sind die gesetzliche Mindestgrenze, nicht automatisch eine Komfort- oder Sicherheitsreserve für die ganze Saison. Wer am 1. November mit genau 4 mm startet und viel fährt, kann mitten im Winter unter die Grenze fallen. Besonders bei Pendler:innen, Firmenautos, Lieferfahrzeugen, Taxis, Fahrschulautos und E-Autos mit hohem Gewicht sollte die Profiltiefe vor und während der Saison kontrolliert werden.

Wann Ganzjahresreifen sinnvoll sein können

Ganzjahresreifen sind vor allem dann sinnvoll, wenn das Auto überschaubar genutzt wird und die Winteranforderungen moderat sind. Wer in der Stadt wohnt, wenige Kilometer fährt, bei starkem Schneefall flexibel auf Öffis ausweichen kann oder nur kurze Strecken zurücklegt, kann mit guten Ganzjahresreifen gut auskommen. Auch für Zweitautos, kleine Pendelstrecken in milden Regionen oder Fahrzeuge, die nicht täglich gebraucht werden, kann ein hochwertiger Ganzjahresreifen eine praktische Lösung sein.

  • Stadtfahrzeug: kurze Wege, selten starke Schneefahrbahn, flexible Nutzung.
  • Zweitauto: kann bei Extremwetter stehen bleiben.
  • Wenigfahrer:innen: geringe Jahreskilometer und wenig Autobahn.
  • Milde Regionen: wenig Schnee, eher nasse oder kalte Straßen als alpine Bedingungen.
  • Private Nutzung: keine fixen Liefertermine oder Kundentermine bei jedem Wetter.
  • Gute Reifenqualität: aktuelles Modell, Alpine-Symbol, ausreichend Profil und passende Dimension.

Wann echte Winterreifen besser bleiben

Echte Winterreifen bleiben die bessere Wahl, wenn Sie regelmäßig bei Schnee, Eis, Bergstraßen oder tiefen Temperaturen fahren. Das betrifft Pendelstrecken in höheren Lagen, Fahrten in Skigebiete, ländliche Regionen mit weniger geräumten Straßen, häufige Autobahnfahrten im Winter, schwere Fahrzeuge, Firmenwagen und Fahrzeuge, die immer einsatzbereit sein müssen.

Auch für Unternehmen sind Ganzjahresreifen nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Zwar sparen sie Wechsel- und Einlagerungskosten, können aber bei hoher Laufleistung schneller verschleißen und bieten weniger spezialisierte Reserven. Wenn ein Außendienstfahrzeug täglich unterwegs sein muss, ist die Ausfall- oder Unfallvermeidung oft wichtiger als der eingesparte Reifenwechsel.

Entscheidung nach Fahrprofil

FahrprofilEmpfehlung für Ganzjahresreifen
Stadt, wenige KilometerKann sinnvoll sein, wenn hochwertige Reifen mit Alpine-Symbol verwendet werden und das Auto bei starkem Schnee notfalls stehen bleibt.
Wien, Graz, Linz, St. PöltenFür viele private Stadtfahrzeuge realistisch, aber Profiltiefe und Nassbremsleistung bleiben wichtig.
Ländlicher RaumGenauer prüfen. Räumung, Steigungen, Nebenstraßen und Winterdienst entscheiden stark.
Alpen, Skigebiete, BergstraßenEchte Winterreifen sind meist die bessere und sicherere Wahl.
Pendeln über Hügel oder PässeNur mit sehr guten Ganzjahresreifen und ausreichender Reserve überlegen; Winterreifen bleiben oft sinnvoller.
Außendienst und FirmenautoNur nach Fuhrparkprüfung. Termine, Haftung, Versicherung, Einsatzgebiet und Dokumentation beachten.
LieferfahrzeugEher kritisch, weil hohe Laufleistung, Zeitdruck, Beladung und Wintereinsatz zusammenkommen.
E-AutoAuf Gewicht, Drehmoment, Rollwiderstand, Traglast, Geräusch und Winterreichweite achten.
Regelmäßige DeutschlandfahrtenUnbedingt Alpine-Symbol wählen, weil reine M+S-Kennzeichnung dort nicht mehr reicht.

Ganzjahresreifen und Kosten: Was wirklich gespart wird

Der finanzielle Vorteil liegt auf der Hand: Wer Ganzjahresreifen fährt, braucht nicht zweimal im Jahr den Reifenwechsel und meist auch keine separate Einlagerung. Das spart Geld, Zeit und Planung. Besonders bei kleinen Autos und wenigen Jahreskilometern kann das über mehrere Jahre attraktiv sein.

Die Rechnung ist aber nicht immer eindeutig. Ganzjahresreifen laufen das ganze Jahr und verschleißen dadurch dauerhaft. Bei hoher Laufleistung kann ein Satz schneller an seine Grenzen kommen. Außerdem können hochwertige Ganzjahresreifen teurer sein als einfache Saisonreifen. Wer sehr viel fährt, braucht möglicherweise früher neue Reifen und spart weniger als gedacht. Deshalb sollte nicht nur der Wechselpreis, sondern die Laufleistung über mehrere Jahre gerechnet werden.

Kostenvergleich: Ein Satz oder zwei Sätze Reifen?

KostenpunktGanzjahresreifen vs. Saisonreifen
AnschaffungEin Satz statt zwei Sätze. Hochwertige Ganzjahresreifen können aber teurer sein als günstige Einzelreifen.
WechselkostenEntfallen weitgehend, wenn kein saisonaler Wechsel nötig ist.
EinlagerungMeist nicht nötig, weil kein zweiter Reifensatz gelagert wird.
VerschleißGanzjahresreifen laufen das ganze Jahr und können bei hoher Laufleistung schneller ersetzt werden müssen.
SicherheitspufferSaisonreifen bieten bei Hitze und Winterbedingungen meist spezialisiertere Reserven.
WerkstattplanungWeniger Aufwand im Oktober/November und März/April.
FuhrparkWeniger Organisation, aber Einsatzgebiet und Haftung müssen besonders sauber geprüft werden.

Sommer: Warum Ganzjahresreifen nicht einfach Sommerreifen sind

Viele Ganzjahresreifen sind konstruktiv näher am Winterreifen als am reinen Sommerreifen. Das ist nötig, damit sie auch bei Kälte und Schnee funktionieren. Bei Hitze, hoher Geschwindigkeit und sportlicher Fahrweise können sie daher schwammiger wirken, schneller verschleißen oder längere Bremswege haben als gute Sommerreifen. Wer viel Autobahn fährt, häufig voll beladen ist oder im Sommer lange Urlaubsstrecken fährt, sollte das berücksichtigen.

Das bedeutet nicht, dass Ganzjahresreifen im Sommer schlecht sind. Gute Modelle funktionieren im Alltag ordentlich. Aber sie sind ein Kompromiss. Wer im Sommer maximale Stabilität, Bremsleistung und Lenkpräzision erwartet, bleibt mit einem echten Sommerreifen besser beraten.

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Winter: Warum Ganzjahresreifen keine Schneewunder sind

Auch im Winter gilt: Gute Ganzjahresreifen sind besser als falsche oder abgefahrene Reifen, aber sie ersetzen nicht in jedem Fall hochwertige Winterreifen. Auf Schnee, Eis, Schneematsch, kalten Bergstraßen und steilen Zufahrten haben gute Winterreifen meist mehr Reserven. Besonders relevant ist das in alpinen Regionen, bei Skifahrten, auf Nebenstraßen und bei Fahrzeugen mit schwerer Beladung.

Für Skigebiete, Berghütten, Pendelstrecken über Höhenlagen oder regelmäßige Winterfahrten außerhalb gut geräumter Hauptstraßen empfehlen wir daher eine konservative Entscheidung: Winterreifen bleiben meist die bessere Wahl. Schneeketten können zusätzlich nötig sein, ersetzen aber im Alltag nicht den richtigen Reifen.

Was aktuelle Reifentests zeigen

Der ÖAMTC-Ganzjahresreifentest 2025 zeigt ein gemischtes Bild: 16 Modelle wurden getestet, vier schnitten mit „gut“ ab, vier mit „nicht genügend“. Das ist für Käufer:innen eine wichtige Botschaft. Ganzjahresreifen sind nicht mehr automatisch schlechte Kompromisse, aber die Unterschiede zwischen guten und schwachen Modellen bleiben groß.

Für unseren Ratgeber heißt das: Nicht irgendeinen günstigen Online-Reifen kaufen, sondern aktuelle Testergebnisse, Fahrzeugdimension, Einsatzgebiet und Fachberatung prüfen. Gerade bei sicherheitsrelevanten Teilen sollte der Preis nicht allein entscheiden. Ein schlechter Ganzjahresreifen kann im entscheidenden Moment deutlich schlechter bremsen oder weniger Seitenführung bieten.

Ganzjahresreifen für E-Autos

Bei E-Autos sind Reifen besonders wichtig. Viele Elektroautos sind schwerer als vergleichbare Verbrenner, haben hohes Drehmoment und reagieren sensibel auf Rollwiderstand. Der Reifen beeinflusst Reichweite, Geräusch, Komfort, Bremsweg, Traktion und Verschleiß. Ein günstiger Ganzjahresreifen kann dadurch teurer werden, wenn Reichweite sinkt oder der Reifen schneller verschleißt.

Achten Sie bei E-Autos auf Traglastindex, Freigaben, Rollwiderstand, Nasshaftung, Geräusch und Wintereigenschaften. Wer zuhause lädt und hauptsächlich städtisch fährt, kann mit guten Ganzjahresreifen gut leben. Wer lange Winterstrecken, Autobahn, Skigebiete oder hohe Laufleistung hat, sollte Winterreifen genauer prüfen. Ergänzend passt unser Branchenblatt-Ratgeber E-Auto-Förderung in Österreich sowie unser Beitrag E-Auto zuhause laden.

Firmenautos und Fuhrpark: Bequemlichkeit reicht nicht

Für Unternehmen kann der Einsatz von Ganzjahresreifen interessant sein, weil Wechseltermine, Einlagerung, Fahrzeugausfall und administrative Arbeit sinken. Trotzdem sollte ein Betrieb nicht pauschal auf Ganzjahresreifen umstellen. Entscheidend sind Einsatzgebiet, Fahrzeugtyp, Kilometerleistung, Fahrzeiten, Kundentermine, Lieferverpflichtungen, Versicherung, Unfallrisiko und Dokumentation.

Ein Firmen-Pkw in Wien mit wenigen Kilometern kann anders bewertet werden als ein Außendienstfahrzeug in der Obersteiermark oder ein Servicefahrzeug in Tirol. Fuhrparkverantwortliche sollten Reifenstatus, Profiltiefe, Kennzeichnung, Montagezeitpunkt und Prüfroutine dokumentieren. Wenn Mitarbeitende bei winterlichen Bedingungen unterwegs sein müssen, muss der Betrieb sicherstellen, dass die Ausrüstung zur Aufgabe passt.

Autokauf: Ganzjahresreifen als Verkaufsargument prüfen

Beim Gebrauchtwagenkauf werden Ganzjahresreifen oft als Vorteil genannt: „Neue Allwetterreifen montiert“ klingt gut. Trotzdem sollten Sie genau hinschauen. Entscheidend sind Marke, Alter, DOT-Nummer, Profiltiefe, gleichmäßiger Abrieb, Traglast, Geschwindigkeitsindex, Alpine-Symbol, Felgenzustand und ob der Reifen wirklich zum Fahrzeug passt.

Ein Auto mit guten neuen Ganzjahresreifen kann attraktiv sein. Ein Auto mit alten, abgefahrenen oder unbekannten Ganzjahresreifen ist kein echter Vorteil. Beim Kauf sollten Sie Reifen nicht nur optisch prüfen, sondern auch in die Preisverhandlung einbeziehen. Mehr zur allgemeinen Kaufprüfung lesen Sie in unserem Beitrag Auto kaufen in Österreich.

Autohäuser und Werkstätten: Gute Beratung entscheidet

Für Autohäuser, Reifenhändler und Werkstätten sind Ganzjahresreifen ein Beratungsthema. Kund:innen fragen oft nach der bequemsten Lösung, nicht nach der sichersten. Eine gute Beratung fragt daher zuerst nach Fahrprofil, Wohnort, Winterstrecken, Jahreskilometern, Fahrzeuggewicht, Urlaubszielen und Auslandsfahrten. Erst danach lässt sich entscheiden, ob Ganzjahresreifen passen.

Regionale Betriebe können hier Vertrauen aufbauen. Wer ehrlich erklärt, wann Allwetterreifen passen und wann nicht, gewinnt langfristig mehr als mit einem schnellen Verkauf. Für Südsteiermark-Leser:innen haben wir zusätzlich eine Übersicht zu Autohäusern in Leibnitz und ein Anbieterprofil zu Porsche Inter Auto Leibnitz.

Ausland: Österreich-Regeln reichen nicht immer

Wer regelmäßig nach Deutschland, Italien, Slowenien, Tschechien, in die Schweiz oder in andere Länder fährt, sollte nicht nur die österreichische Rechtslage prüfen. Besonders Deutschland ist wichtig: Seit 1. Oktober 2024 reicht dort bei winterlichen Straßenverhältnissen die reine M+S-Kennzeichnung nicht mehr aus. Es braucht das Alpine-Symbol. Das gilt auch für in Österreich zugelassene Fahrzeuge, wenn sie in Deutschland unterwegs sind.

In Italien können Winterausrüstungspflichten regional oder per Beschilderung gelten. In alpinen Regionen können Schneeketten vorgeschrieben sein. Für Reisen in Skigebiete oder über Grenzen ist daher die sichere Lösung: hochwertige Reifen mit Alpine-Symbol, genug Profil, Schneeketten im passenden Maß und vorherige Prüfung der Zielregion.

Schneeketten: Zusatz, nicht Standardersatz

Schneeketten können in Österreich bei Pkw und leichten Lkw bis 3,5 Tonnen unter bestimmten Bedingungen eine Alternative zu Winterreifen sein. Sie müssen auf mindestens zwei Antriebsrädern montiert werden und dürfen nur dann als Alternative genutzt werden, wenn die Fahrbahn mit einer zusammenhängenden oder kaum unterbrochenen Schnee- oder Eisschicht bedeckt ist.

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Für den Alltag sind Schneeketten daher kein Ersatz für passende Reifen. Sie sind eine Zusatzabsicherung für Bergstraßen, Zufahrten, Schneefahrbahnen und angeordnete Kettenpflicht. Wer Ganzjahresreifen fährt und in alpine Regionen reist, sollte zusätzlich prüfen, ob passende Schneeketten vorhanden sind und ob sie auf der jeweiligen Reifendimension montiert werden dürfen.

Reifenalter und DOT-Nummer nicht vergessen

Die Profiltiefe ist wichtig, aber nicht der einzige Sicherheitsfaktor. Reifen altern. Gummi wird mit der Zeit härter, besonders bei falscher Lagerung, Hitze, Sonne oder geringer Nutzung. Ein Ganzjahresreifen kann äußerlich ordentlich aussehen und trotzdem schlechtere Haftung haben, wenn er alt ist. Die DOT-Nummer zeigt Produktionswoche und Produktionsjahr.

Beim Kauf sollten Sie daher nicht nur auf „neu“ oder „gebraucht“ achten, sondern auf Produktionsdatum, Lagerung, Profiltiefe und Zustand. Sehr alte Reifen sind auch dann kritisch, wenn sie noch Profil haben. Besonders bei gebrauchten Autos, Importfahrzeugen, selten genutzten Zweitwagen oder günstigen Online-Angeboten lohnt ein genauer Blick.

Welche Branchen direkt profitieren

Direkt betroffen sind Reifenhändler, Werkstätten, Autohäuser, Leasinggesellschaften, Fuhrparkbetreiber, Versicherungen, Fahrschulen, Pannendienste, Online-Reifenhändler, Felgenanbieter, Einlagerungsbetriebe und Kfz-Prüfstellen. Ganzjahresreifen verändern nicht nur das Kaufverhalten, sondern auch Werkstattplanung, Saisonspitzen, Lagerflächen und Beratung.

Indirekt profitieren oder reagieren Logistik, Lieferdienste, Außendienst, Taxis, Pflege- und Sozialdienste, Gemeinden, Tourismus, Skiregionen, Hotels, Autovermieter und Unternehmen mit Dienstwagen. Wenn Fahrzeuge bei Winterwetter nicht einsatzfähig sind, entstehen Kosten, Ausfälle und Haftungsfragen. Darum ist die Reifenentscheidung nicht nur privat, sondern auch betrieblich relevant.

Benachteiligt können Betriebe sein, die stark vom saisonalen Reifenwechsel leben. Gleichzeitig entstehen neue Beratungs- und Verkaufschancen: hochwertige Ganzjahresreifen, Reifenkontrollen, Profiltiefenchecks, Fuhrparkdokumentation, E-Auto-Reifenberatung und Auslands-Checks.

Checkliste: Passen Ganzjahresreifen zu Ihrem Auto?

  1. Fahrprofil prüfen: Stadt, Land, Berge, Autobahn, Skigebiet, Ausland oder nur kurze Strecken?
  2. Kennzeichnung prüfen: M+S/M.S./M&S und idealerweise Alpine-Symbol.
  3. Profiltiefe messen: Für Wintereinsatz mindestens 4 mm bei Pkw-Radialreifen.
  4. Reifenalter prüfen: DOT-Nummer kontrollieren, besonders bei Gebrauchtwagen und Onlinekäufen.
  5. Fahrzeuggewicht beachten: SUV, Transporter und E-Autos brauchen passende Traglast und Qualität.
  6. Auslandsfahrten einplanen: Deutschland, Italien und alpine Regionen können strengere oder andere Regeln haben.
  7. Testergebnisse lesen: Nicht jedes Modell ist gut; aktuelle Tests zeigen große Unterschiede.
  8. Winterreserve bedenken: Wer bei jedem Wetter fahren muss, sollte eher zu echten Winterreifen tendieren.
  9. Kosten realistisch rechnen: Wechsel und Einlagerung sparen, aber Verschleiß über das ganze Jahr einbeziehen.
  10. Fachbetrieb fragen: Bei Unsicherheit Fahrprofil und Reifendimension mit Werkstatt oder Reifenhändler besprechen.

Typische Fehler bei Ganzjahresreifen

  • Nur auf den Preis schauen: Bei Reifen entscheidet Qualität über Bremsweg, Traktion und Sicherheit.
  • M+S ohne Alpine-Symbol kaufen: Für Deutschlandfahrten seit 2024 riskant.
  • Profiltiefe überschätzen: 3 mm reichen im österreichischen Wintereinsatz nicht als Winterreifen.
  • Stadtlogik auf Berge übertragen: Was in Wien funktioniert, muss in Tirol oder auf Skistrecken nicht reichen.
  • Hohe Laufleistung ignorieren: Ganzjahresreifen verschleißen das ganze Jahr.
  • E-Auto-Anforderungen unterschätzen: Gewicht, Drehmoment und Reichweite machen den Reifen wichtiger.
  • Schneeketten als Freibrief sehen: Sie sind nur unter engen Bedingungen eine Alternative.
  • Alte Reifen übernehmen: Bei Gebrauchtwagen immer DOT-Nummer und Zustand prüfen.
  • Firmenwagen pauschal ausstatten: Fuhrparkentscheidungen brauchen Einsatzprofil und Dokumentation.

Wann wir in unserem Ratgeber Ganzjahresreifen empfehlen würden

Wir würden Ganzjahresreifen vor allem dann empfehlen, wenn Sie wenig fahren, in einer milden oder urbanen Region leben, das Auto bei extremem Winterwetter stehen lassen können und ein hochwertiges Modell mit Alpine-Symbol wählen. Auch für viele Zweitautos, kleine Stadtfahrzeuge und flexible private Nutzung kann das eine vernünftige Lösung sein.

Wir wären vorsichtig, wenn Sie regelmäßig über Bergstrecken pendeln, in Skigebiete fahren, beruflich bei jedem Wetter unterwegs sein müssen, viele Kilometer fahren, ein schweres SUV oder E-Auto nutzen oder häufig nach Deutschland fahren. In diesen Fällen sind gute Winterreifen im Winter und gute Sommerreifen im Sommer oft die bessere Entscheidung.

Sind Ganzjahresreifen in Österreich erlaubt?

Ja. Ganzjahresreifen sind in Österreich erlaubt. Bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen gelten sie aber nur dann als ausreichende Winterausrüstung, wenn sie als Winterreifen gekennzeichnet sind und die erforderliche Mindestprofiltiefe erfüllen.

Welche Kennzeichnung brauchen Ganzjahresreifen in Österreich?

In Österreich gelten Reifen mit M+S, M.S. oder M&S sowie Reifen mit zusätzlichem oder ausschließlichem Schneeflockenzeichen als Winterreifenkennzeichnung. Praktisch sinnvoll ist heute ein Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol.

Welche Profiltiefe brauchen Ganzjahresreifen im Winter?

Bei Pkw und leichten Lkw bis 3,5 Tonnen brauchen Ganzjahresreifen im Winter mindestens 4 mm Profiltiefe bei Radialreifen und 5 mm bei Diagonalreifen, wenn sie als Winterreifen verwendet werden.

Reichen 3 mm Profil bei Ganzjahresreifen in Österreich?

Für die Winterreifenpflicht bei Pkw reichen 3 mm nicht aus. Ein Ganzjahresreifen mit 3 mm kann zwar über der Sommerreifen-Mindestprofiltiefe liegen, gilt bei winterlichen Bedingungen aber nicht mehr als ausreichender Winterreifen.

Wann gilt die Winterreifenpflicht in Österreich?

Für Pkw und Lkw bis 3,5 Tonnen gilt sie von 1. November bis 15. April nur bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen wie Schnee, Schneematsch oder Eis. Für schwere Lkw und Busse gelten eigene Regeln.

Sind Ganzjahresreifen für Skigebiete sinnvoll?

Für regelmäßige Fahrten in Skigebiete sind echte Winterreifen meist besser. Gute Ganzjahresreifen können funktionieren, bieten aber auf Schnee, Eis, steilen Zufahrten und Bergstraßen oft weniger Reserve als hochwertige Winterreifen.

Was ist besser: Ganzjahresreifen oder Winterreifen?

Das hängt vom Fahrprofil ab. Für wenige Kilometer und milde Regionen können Ganzjahresreifen sinnvoll sein. Für Alpenregionen, Vielfahrer:innen, Firmenautos, Skifahrten und harte Winterbedingungen sind Winterreifen meist besser.

Brauchen Ganzjahresreifen das Alpine-Symbol?

Für Österreich werden auch M+S-Kennzeichnungen genannt. Für neue Kaufentscheidungen und besonders für Deutschlandfahrten ist das Alpine-Symbol aber sehr empfehlenswert. In Deutschland reicht M+S seit 1. Oktober 2024 nicht mehr aus.

Sind Ganzjahresreifen für E-Autos geeignet?

Ja, aber nur wenn Traglast, Rollwiderstand, Nasshaftung, Geräusch, Wintereigenschaften und Fahrzeugfreigabe passen. E-Autos sind oft schwerer und haben hohes Drehmoment, weshalb Reifenqualität besonders wichtig ist.

Sparen Ganzjahresreifen wirklich Geld?

Sie können Wechsel- und Einlagerungskosten sparen. Bei hoher Laufleistung können sie aber schneller verschleißen. Die echte Ersparnis hängt von Reifenpreis, Fahrleistung, Qualität, Werkstattkosten und Nutzungsdauer ab.

Quellen und weiterführende Informationen

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