Audio im Umbruch: Radio, Podcasts und Preise als neue Machtfaktoren der Aufmerksamkeit

Radio und Podcasts: Revival des Auditiven
Weshalb Radio und Co. ein Revival feiern

Radio und Podcasts prägen in Österreich die tägliche Aufmerksamkeit wie kaum ein anderes Medium. Radio bleibt reichweitenstark, Podcasts wachsen dynamisch. Gleichzeitig verschieben Preise die Macht. Abo Kosten steigen, Audio Werbung wird knapper und teurer, und Plattformen steuern Sichtbarkeit über Inventarlogik.

Überblick über die erfolgreichsten Sender und Formate

KategorieTitelAnbieterSchwerpunktRhythmus oder SendezeitWo hören
RadioprogrammÖ3 WeckerHitradio Ö3, ORFMorgensendung mit Service, Unterhaltung, PopMo bis Fr 5 bis 9 UhrRadio, ORF Sound
RadioprogrammFM4 Morning ShowRadio FM4, ORFZweisprachige Morning Show, Popkultur, GamesTäglich 6 bis 10 UhrRadio, ORF Sound
RadioprogrammÖ1 MorgenjournalÖ1, ORFNachrichten und EinordnungTeil der Ö1 Journale, Ausgabe je nach TagRadio, ORF Angebote
RadioprogrammÖ1 MittagsjournalÖ1, ORFNachrichten und Analyse zur MittagszeitBestandteil der Ö1 JournaleRadio, ORF Angebote
RadioprogrammÖ1 AbendjournalÖ1, ORFAbendliche Nachrichten und HintergründeBestandteil der Ö1 JournaleRadio, ORF Angebote
RadioprogrammGuten Morgen WienORF Radio WienRegionaler Morgen Service, Wien FokusSendung in ORF Sound gelistetRadio, ORF Sound
RadioprogrammRadio Wien StadtjournalORF Radio WienLokale Nachrichten, Stadt ThemenRegelmäßige Beiträge, ORF Sound CollectionRadio, ORF Sound
Radioprogrammkronehit SendungenkronehitProgrammschiene, Moderation und MusikstreckenÜbersicht der On Air SendungenRadio, Web, App
Radioprogrammkronehit most wantedkronehitHörerwünsche, CountdownTäglich ab 18 UhrRadio, kronehit tv, Web
Radioprogramm88.6 ProgrammRadio 88.6Rock Programm, Shows und RadiothekProgramm Übersicht auf SenderseiteRadio, Web, App
RadioprogrammENERGY On AirENERGY ÖsterreichShows und TagesstreckenOn Air Übersicht, Schedule verfügbarRadio, Web, App
PodcastThema des TagesDER STANDARDNachrichten Podcast, tägliche EinordnungWerktags neue Folgen, laut Podcast BeschreibungApple Podcasts, Spotify, weitere
PodcastInside AustriaDER STANDARD und DER SPIEGELRecherche und politische Affären, Österreich FokusErscheint samstags, laut BeschreibungPodigee, Podcast Plattformen
PodcastDie DunkelkammerDasKollektiv MedienInvestigativ, Korruption und MachtmissbrauchWöchentlich, laut Podcast BeschreibungApple Podcasts, Simplecast, Plattformen
PodcastFALTER RadioFALTERWochenrückblick und Debatte zur AusgabeWöchentlich, laut Show BeschreibungAcast, Spotify, Plattformen
PodcastÖ1 RadiokollegÖ1, ORFWissensserien, vertiefende ThemenSerienformat, ORF Sound PodcastORF Sound, Podcast Plattformen
PodcastGeschichten aus der Geschichtegeschichte.fmHistorische Geschichten, wöchentliches FormatFortlaufendes Format, laut WebsiteEigene Seite, Apple Podcasts

Audio wirkt oft unspektakulär, ist aber strategisch. Es begleitet Routinen, füllt Leerzeiten und erreicht Menschen in Momenten, in denen Bildschirme stören würden. Genau deshalb bleibt Radio ein Massenmedium, während Podcasts ein neues Format für Bindung und Tiefe liefern.

Für Entscheiderinnen und Entscheider entsteht ein doppelter Druck. Erstens verändert sich Nutzung. Live Hören und On Demand laufen parallel. Zweitens verändert sich Finanzierung. Preise und Preislogiken werden zu einem Hebel für Aufmerksamkeit. Das gilt für Abo Plattformen ebenso wie für die Werbung in Premium Umfeldern.

Der Kern dieser Verschiebung ist messbar. In Österreich hören täglich mehr als 6,1 Millionen Menschen ab 10 Jahren Radio. Die durchschnittliche Hördauer liegt bei 195 Minuten pro Tag. Das ist die Basis, auf der sich die nächste Phase des Audiomarkts aufbaut.

Radio und Podcasts in Österreich: Was sich gerade wirklich verschiebt

Radio bleibt stabil, weil es drei Dinge verbindet. Aktualität, Verlässlichkeit, Nähe. Regionalität ist dabei ein österreichischer Sonderfaktor. Wer morgens Verkehr hört oder mittags Nachrichten, sucht keine Playlist, sondern Orientierung.

Gleichzeitig franst Audio aus. Online Audio wird zum Normalfall, nicht zur Nische. Laut Online Audio Monitor Austria nutzen 91 Prozent der 15+ Online Bevölkerung Online Audio zumindest selten. 80 Prozent nutzen es zumindest monatlich. Damit ist Online Audio kein Zusatzkanal mehr, sondern eine zweite Verbreitungslogik, die Radio und Podcasts gleichermaßen betrifft.

Das Ergebnis ist kein Entweder Oder. Es ist ein Nebeneinander aus Live, Catch Up und On Demand. Für Reichweite ist das gut. Für Planung wird es komplexer, weil Messung, Frequenzsteuerung und Budgetlogik neu zusammenspielen müssen.

Reichweite bleibt die Währung, aber sie bekommt neue Formen

In Österreich ist Reichweite im Audio Markt weiterhin stark durch Radio definiert. Die Radiotest Daten zeigen hohe tägliche Nutzung. Gleichzeitig verschiebt sich, wo diese Nutzung stattfindet und wie sie monetarisiert wird.

Auch innerhalb des Radiomarkts bleibt die Struktur markant. Rund sechs von zehn gehörten Radiominuten entfallen auf ORF Radios. Das entspricht einem Marktanteil von 59 Prozent. Die ORF Angebote erreichen mit einer Tagesreichweite von 55,8 Prozent mehr als 4,5 Millionen Menschen in Österreich.

Für Werbetreibende ist das eine klare Realität. Wer kurzfristig Reichweite aufbauen will, findet im Radio weiterhin planbare Volumina. Wer Zielgruppen fein segmentieren will, braucht zusätzlich digitale Audio Bausteine. Dort ist die Reichweite fragmentierter, aber oft präziser adressierbar.

Podcasts: Wachstumstreiber, Bindungsmedium, und zunehmend Nachrichtenkanal

Podcasts sind in Österreich längst mehr als Unterhaltung. Sie werden für Information, Beratung und Markenbindung genutzt. Besonders sichtbar ist das im News Kontext. Im Digital News Report Austria 2025 geben 11,1 Prozent an, in der letzten Woche einen Nachrichten Podcast genutzt zu haben.

Das klingt im Vergleich zur täglichen Radio Nutzung kleiner. Es ist aber strategisch groß, weil Podcasts anders wirken. Sie liefern längere Aufmerksamkeit, häufig mit Kopfhörern, oft in Alleinsituationen. Das verändert Werbewirkung, Erinnerungsleistung und die Akzeptanz von Werbeformen wie Host Read Spots.

Podcasts werden zudem multimedialer. Im Online Audio Monitor wird ausgewiesen, dass Podcast Inhalte mit Bild oder Video von rund der Hälfte der Podcast Hörenden genutzt werden. Für Publisher bedeutet das zusätzliche Produktionsentscheidungen. Für Werbung bedeutet es neue Formate, aber auch neue Preislogiken.

Preise als Machtfaktor: Warum Audio Aufmerksamkeit jetzt häufiger gekauft als gewonnen wird

Früher war Audio Macht vor allem ein Reichweitenspiel. Heute ist es zusätzlich ein Preisspiel. Drei Mechaniken stechen heraus.

Erstens steigen Abo Preise im Streaming, und damit auch die Schwelle, wann Nutzerinnen und Nutzer kündigen, downgraden oder auf werbefinanzierte Modelle wechseln. Spotify hat seine Premium Preise im Herbst 2025 angehoben. Medienberichte nennen für Neukunden 11,99 Euro pro Monat statt 10,99 Euro, später auch für Bestandskunden. Diese Preisbewegung wirkt indirekt auf Podcasts, weil Plattformen zunehmend bündeln und priorisieren, was monetarisiert.

Zweitens werden werbefreie Erlebnisse zum Premium Gut. In der Podcast Logik ist das sehr konkret. Im Online Audio Monitor wird als Nutzenkategorie ein werbefreies Hörerlebnis ausgewiesen. Gleichzeitig zeigt die Studie eine ausgeprägte Zahlungsbereitschaft in jüngeren Gruppen. Das ist kein Beweis für massenhafte Zahlungsströme, aber ein Signal, dass Aufmerksamkeit über Bezahlmodelle stärker segmentiert wird.

Drittens entstehen neue Preisschilder in der Werbung. Programmatic Audio, dynamische Einspielung und Plattform Inventare führen zu Auktionen, Mindestpreisen und knappen Premium Slots. Das verändert die Verhandlungsmacht. Nicht mehr nur Sender oder Vermarkter setzen Preise. Plattformen setzen Regeln, und Regeln werden zu Preisen.

Werbung im Audio Markt: Von Spot Logik zu Inventory Logik

Klassische Radiowerbung ist in Österreich seit Jahrzehnten standardisiert. Spotlängen, Platzierungen, Frequenz und Tageszeiten sind etablierte Parameter. Diese Welt bleibt relevant, weil sie einfach zu planen ist und weil sie eine hohe Grundreichweite liefert.

Digitale Audio Werbung funktioniert anders. Inventar entsteht durch Nutzung. Nutzung schwankt nach Tageszeit, Kontext und Gerät. Und sie ist stärker personalisiert, weil Plattformen besser wissen, was gehört wird. Der Online Audio Monitor zeigt Online Audio Nutzung als breite Basis. Daraus entsteht Werbeinventar, das sich nicht wie ein klassisches Programmschema anfühlt, sondern wie ein Marktplatz.

Das verändert auch die Wirkung von Preisen. Werbetreibende zahlen nicht nur für Reichweite. Sie zahlen für Kontext, für Zielgruppenqualität und für geringe Streuverluste. Das kann den Tausenderkontaktpreis nach oben treiben, auch wenn die absolute Reichweite kleiner ist als im Radio.

Messung als Engpass: Warum Reichweite ohne Vergleichbarkeit an Wert verliert

Mit der Fragmentierung wächst ein altes Problem. Vergleichbarkeit. Radiotest und Online Audio Studien messen in unterschiedlichen Logiken. Dazu kommen Plattform Kennzahlen, die oft nicht öffentlich verifiziert sind. Für Marken entsteht damit ein Risiko. Man kann Reichweite einkaufen, ohne sie sauber gegen andere Kanäle zu benchmarken.

Im Radiotest ist die Währung klar. Tagesreichweite und Hördauer sind etabliert. Im digitalen Audio Kontext wird es heterogener. Downloads, Streams, Starts, Completion Rate, Unique Listener, View bei Video Podcasts. Jede Metrik erzählt eine andere Geschichte.

Der praktische Effekt ist deutlich. Budgets folgen oft nicht der Wirkung, sondern der Messsicherheit. Radio profitiert davon. Podcasts müssen stärker standardisieren, wenn sie in größeren Mediaplänen dauerhaft neben Radio stehen sollen.

Kernfakten im Überblick

AspektWas die Daten für Österreich zeigenWarum es für Strategie und Budget zählt
Radio ReichweiteTäglich mehr als 6,1 Mio. Hörer ab 10 Jahren, Ø 195 Minuten pro TagRadio bleibt der schnellste Hebel für breite Reichweite und Frequenzaufbau
Online Audio Nutzung91 Prozent nutzen Online Audio zumindest selten, 80 Prozent zumindest monatlichDigitale Distribution ist Massenrealität und liefert neues Inventar für Werbung
Podcasts als News Kanal11,1 Prozent nutzten zuletzt einen Nachrichten Podcast in der VorwochePodcasts werden relevant für Information und Markenbindung, mit anderen Werbeformaten

Warum bleibt Radio in Österreich so stark?

Radio ist ein Nebenbei Medium, aber kein Nebenbei Effekt. Es passt in Mobilität, Arbeit, Haushalt. Es liefert in kurzer Zeit Orientierung. Wetter, Verkehr, Nachrichten. Dazu kommt starke regionale Identität, die im österreichischen Markt traditionell wichtiger ist als in vielen anderen Ländern.

Die Daten stützen diese Stabilität. Hohe tägliche Nutzung und hohe Hördauer zeigen, dass Radio nicht nur eingeschaltet wird, sondern begleitet. Für Werbung bedeutet das wiederholte Kontakte in einem verlässlichen Rhythmus.

Was macht Podcasts für Werbekunden attraktiv?

Podcasts bieten weniger Breite, aber mehr Tiefe. Viele Hörerinnen und Hörer hören bewusst. Die Werbeplätze sind oft weniger überfüllt, und Host Read Formate können wie Empfehlungen wirken. Das steigert Erinnerungsleistung, wenn der Fit stimmt.

Hinzu kommt Segmentierung über Themen. Ein Podcast über Geld, Gesundheit oder Unternehmertum liefert Kontext, den klassische Spots selten erreichen. Damit wird Werbung weniger zu Unterbrechung und eher zu Integration, wenn sie sauber gemacht ist.

Wie verändern steigende Preise das Hörverhalten?

Steigende Abo Preise erhöhen die Sensibilität für Nutzen. Wer zahlt, erwartet weniger Werbung, bessere Inhalte und Komfort. Wer nicht zahlt, akzeptiert Werbung eher, aber nicht grenzenlos. Plattformen reagieren darauf mit Paketen, Stufenmodellen und einer stärkeren Priorisierung von Inhalten, die Umsatz bringen.

Der Spotify Schritt 2025 ist ein sichtbares Beispiel für diesen Trend. Der strategische Punkt ist nicht der Euro Betrag. Es ist die Normalisierung von Preisrunden. Wenn Preise öfter steigen, wird Aufmerksamkeit stärker über Zahlungsfähigkeit segmentiert.

Welche Rolle spielt Audio-Werbung bei Reichweite und Performance?

Audio Werbung kann beides. Reichweite und Performance. Radio ist traditionell stark im Reichweitenaufbau. Digitale Audio Formate können zusätzlich Performance Ziele bedienen, weil sie besser targeten und messbar aussteuern.

Die Kombination wird deshalb wichtiger. Reichweite wird im Radio aufgebaut. Digitale Audio Spots oder Podcast Integrationen verdichten die Zielgruppe, liefern Frequenz in passenden Kontexten und können Retargeting Logiken ergänzen. Der Hebel liegt im Zusammenspiel, nicht im Entweder Oder.

Handlungstipps für Planung, Budget und Kreation in Radio und Podcasts

Wer heute in Audio investiert, sollte nicht nur Kanäle vergleichen, sondern Mechaniken. Reichweite, Kontext, Preislogik und Messbarkeit müssen zusammen gedacht werden. Der größte Fehler ist eine rein historische Planung, bei der Radio als Pflichtposten läuft und Podcasts als Experiment. Beides ist inzwischen ein System. Entscheidend ist, wie Sie es kombinieren, wie Sie testen, und wie Sie Preise aktiv verhandeln.

  • Planen Sie Audio zweistufig: erst Reichweite über Radio, dann Kontext über Podcasts und Online Audio.
  • Definieren Sie vorab, welche Metrik zählt: Bekanntheit, Abverkauf, Lead, Store Traffic, Share of Search.
  • Kaufen Sie nicht nur Spots, kaufen Sie Situationen: Pendeln, Kochen, Training, Abendroutine.
  • Nutzen Sie Podcast Umfelder für erklärungsbedürftige Angebote, nicht nur für Branding.
  • Achten Sie auf Werbeformen: Host Read kann stark sein, braucht aber strenge Briefings.
  • Verhandeln Sie Pakete, die Live Radio und digitale Verlängerung verbinden.
  • Testen Sie Frequency Caps in digitalem Audio, um Wear Out zu begrenzen.
  • Prüfen Sie Creative Varianten je Kontext, nicht nur je Zielgruppe.
  • Planen Sie Preisschwankungen ein, wenn Inventar über Auktionen läuft.
  • Fordern Sie saubere Reporting Standards, damit Reichweite vergleichbar bleibt.

Audio entfaltet Wirkung über Wiederholung und Vertrauen. Darum ist Kontinuität wichtiger als einzelne Peaks. Gleichzeitig sollten Sie Budgets beweglich halten, weil Preislogiken sich schneller ändern als Sendeschemata. Wer diese Balance beherrscht, kann Reichweite stabil einkaufen und Aufmerksamkeit gezielt vertiefen.

Fazit

Audio ist in Österreich kein Auslaufmodell, sondern ein Markt im Umbau. Radio bleibt der Reichweitenanker. Die tägliche Nutzung und die hohe Hördauer sind ein starkes Fundament. Gleichzeitig wächst Online Audio als Normalverhalten. Podcasts werden dabei zum Bindungsmedium und im News Bereich zu einem relevanten Zusatzkanal.

Neu ist vor allem die Macht der Preise. Abo Modelle, werbefreie Stufen, Plattform Regeln und digitale Inventarlogik bestimmen, welche Aufmerksamkeit verfügbar ist und was sie kostet. Wer in Radio und Podcasts investiert, braucht deshalb nicht nur Kreativität, sondern auch Preisverständnis. Budget, Messung und Kontext müssen zusammenspielen. Dann wird Audio nicht nur gehört, sondern genutzt.

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