Steuereinnahmen durch Marktöffnung? Casino Groups beleuchtet das Potenzial von Online-Casinos für die Wirtschaft

Casinobranche im Umbruch
Mehr Steuereinnahmen durch Online-Casinos?

In Österreich gibt es derzeit genau ein konzessioniertes Online-Casino, das im Rahmen des staatlichen Glücksspielmonopols von den Österreichischen Lotterien betrieben wird. Parallel dazu lassen sich im Internet tausende unregulierte Casino-Websites öffnen. Die Österreicher spielen auch dort und zwar direkt an der Staatskasse vorbei. Casino Groups beleuchtet daher das wirtschaftliche und steuerliche Potenzial einer Liberalisierung des Online-Glücksspielmarktes in Österreich.

Der Status Quo: Win2day vs. Tausende Schwarzmarkt-Casinos

BereichAktuelle Situation (Monopol)Situation im SchwarzmarktPotenzial bei Marktöffnung
Anbieter1 staatlich konzessioniertes Online-CasinoTausende internationale Websites erreichbarMehrere regulierte Anbieter möglich
SteuereinnahmenEinnahmen nur aus dem MonopolangebotUmsätze fließen größtenteils ins AuslandHöhere und breiter gestreute Steuereinnahmen
SpielerschutzRegulierte Maßnahmen beim MonopolanbieterUnterschiedliche Standards je nach AnbieterEinheitliche Regulierung und stärkere Kontrolle
MarkttransparenzBegrenzter Einblick in den GesamtmarktGroße Teile des Marktes schwer messbarMehr Transparenz durch Lizenzsystem
WettbewerbKein fairer WettbewerbWettbewerb ohne österreichische RegulierungRegulierte Konkurrenz im Inland

Der österreichische Online-Glücksspielmarkt befindet sich aktuell in einer besonderen Situation. Auf der einen Seite steht mit win2day ein einziges offiziell konzessioniertes Online-Casino, das von den Österreichischen Lotterien im Rahmen des staatlichen Glücksspielmonopols betrieben wird.

Dieses Angebot unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben, etwa beim Spielerschutz, bei der Identitätsprüfung und bei steuerlichen Abgaben. Auf der anderen Seite existiert jedoch ein großer internationaler Markt.

Über das Internet lassen sich ohne großen Aufwand tausende Online-Casino-Websites aufrufen, die ihre Dienste auch österreichischen Spielern anbieten. Viele dieser Plattformen verfügen über Lizenzen aus anderen Jurisdiktionen, etwa aus Malta innerhalb der EU oder aus Curaçao in der Karibik, unterliegen jedoch nicht der direkten österreichischen Regulierung.

Für Spieler entsteht dadurch eine parallele Realität. Während im Inland nur ein Anbieter offiziell zugelassen ist, steht online eine enorme Auswahl internationaler Casinos zur Verfügung.

Ein beträchtlicher Teil der Umsätze im Online-Glücksspiel dürfte daher außerhalb des österreichischen Regulierungssystems stattfinden und damit auch außerhalb des nationalen Steueraufkommens. Genau hier setzt die Debatte über eine mögliche Marktöffnung an.

Steuereinnahmen der Casinos Austria, der Österreichischen Lotterien und win2day

Die jüngsten verfügbaren Konzernzahlen zeigen, welche Bedeutung das Glücksspiel schon heute für die österreichischen Staatsfinanzen hat. Gleichzeitig fällt auf, dass die Datenlage überraschend dünn ist. Seit einer Pressemitteilung der Casinos Austria AG vom März 2024 wurden keine neueren Geschäftszahlen mehr öffentlich kommuniziert. Warum das so ist, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren.

Für eine wirtschaftliche Einordnung muss daher weiterhin auf die zuletzt veröffentlichten Werte aus dem Geschäftsjahr 2023 zurückgegriffen werden. Damals lag der Bruttospielertrag des Konzerns bei 1.482,89 Mio. €. Davon entfielen 304,51 Mio. € auf die Casinos Austria AG, 212,18 Mio. € auf die Casinos Austria International und 946,81 Mio. € auf die Österreichische Lotterien GmbH.

Hinzu kamen 724,05 Mio. € an Steuern, Abgaben und SV Beiträgen in Österreich. Davon entfielen 612,04 Mio. € auf spielabhängige Abgaben und 112,01 Mio. € auf sonstige Steuern, Abgaben und SV Beiträge. Das Konzernergebnis belief sich auf 182,89 Mio. €. Gleichzeitig beschäftigte der Konzern 3.112 Mitarbeiter, davon 2.240 in Österreich.

Eine separat ausgewiesene Geschäftszahl nur für win2day liegt öffentlich nicht vor. Das Online Casino ist Teil der Österreichischen Lotterien GmbH, wird in den offiziellen Zahlen aber nicht gesondert ausgewiesen.

Wie groß ist der Schwarzmarkt wirklich?

Die genaue Größe des Online-Casino-Schwarzmarktes zu bestimmen, ist grundsätzlich schwierig. Anders als im regulierten Markt existieren für nicht lizenzierte Anbieter keine offiziellen Umsatzmeldungen, keine Steuerstatistiken und oft auch keine transparenten Unternehmensdaten.

Viele Plattformen operieren zudem von internationalen Standorten aus und richten sich gleichzeitig an Spieler in mehreren Ländern. Dadurch lässt sich nur schwer nachvollziehen, welcher Anteil der Umsätze tatsächlich aus einem bestimmten Markt stammt. Um dennoch ein Bild vom möglichen Ausmaß zu bekommen, greifen Experten häufig auf Studien aus vergleichbaren Märkten zurück.

Ein Beispiel liefert Deutschland. Dort untersuchte der Ökonom Gunther Schnabl von der Universität Leipzig gemeinsam mit Branchenverbänden wie dem DOCV (Deutscher Online Casinoverband) und dem DSWV (Deutscher Sportwettenverband) die Entwicklung des Online-Glücksspielmarktes nach der Regulierung.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass ein erheblicher Teil der Spieler weiterhin Angebote außerhalb des regulierten Marktes nutzt. Je nach Segment bewegt sich der Anteil des sogenannten Schwarzmarktes laut Studie teilweise in einer Größenordnung von rund der Hälfte des gesamten Online-Glücksspielmarktes.

Überträgt man diese Erkenntnisse vorsichtig auf Österreich, ergibt sich ein plausibles Szenario. Auch hier existiert mit win2day nur ein staatlich konzessionierter Anbieter, während gleichzeitig tausende internationale Casino-Websites erreichbar sind. Viele davon verfügen über Lizenzen aus anderen Jurisdiktionen und richten sich gezielt an deutschsprachige Spieler.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen liegt die Vermutung nahe, dass auch in Österreich ein beträchtlicher Teil des Online-Casino-Marktes außerhalb des nationalen Regulierungssystems stattfindet, wenngleich im Verhältnis zur deutlich kleineren Bevölkerung entsprechend geringer im absoluten Volumen.

Glücksspiel-Monopole – Ein Relikt aus dem analogen Zeitalter

Könnte es also an der Zeit sein, auch in Österreich eine Liberalisierung des Marktes anzustreben? Staatliche Monopole stammen aus einer Zeit, in der Märkte geografisch klar begrenzt waren und Angebote leicht kontrolliert werden konnten. In der digitalen Welt gelten diese Voraussetzungen jedoch kaum noch.

Online-Dienste kennen keine nationalen Grenzen, und Nutzer können mit wenigen Klicks auf internationale Angebote zugreifen. Gerade im Online-Glücksspiel zeigt sich dieses Problem deutlich: Selbst wenn ein Land nur einen Anbieter zulässt, stehen Spielern gleichzeitig tausende alternative Plattformen im Internet zur Verfügung.

Ein Monopol kann den Zugang zu diesen Angeboten kaum verhindern. Statt den Markt vollständig zu kontrollieren, führt eine solche Struktur daher oft dazu, dass ein großer Teil der Aktivitäten in schwer regulierbare Bereiche außerhalb des nationalen Systems abwandert.

Immer mehr EU-Staaten setzen auf Liberalisierung

Mehrere EU-Länder haben längst gezeigt, dass eine Marktöffnung im Online-Glücksspiel funktioniert. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 den Markt für Online-Sportwetten und virtuelle Automatenspiele geöffnet und in ein Lizenzsystem überführt.

Auch die Niederlande haben mit dem Wet Kansspelen op afstand (KOA) im Jahr 2021 ihren Online-Glücksspielmarkt reguliert und für private Anbieter geöffnet. Schweden gilt ebenfalls als liberaler Markt, in dem mehrere lizenzierte Unternehmen legal tätig sind.

Der entscheidende Punkt ist überall derselbe: Statt an überholten Monopolstrukturen festzuhalten, setzen diese Länder auf Regulierung, Kontrolle und Besteuerung. Genau dadurch werden Spielerinnenn und Spieler aus dem Schwarzbereich in legale und steuerpflichtige Bahnen gelenkt.

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