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30 Jul
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Radio forever

Das alte Medium. Schon oft totgesagt. Lebt im Hintergrund. Zeigt aber immer wieder kräftige Lebenszeichen. Die werden alle halbe Jahre im Radiotest festgehalten. Jetzt ist es wieder soweit.

Die Bilanz 2020-2 ist da. Wobei der Radiotest ebenso wie die MA immer einen rollierenden Jahresschnitt umfasst. Der aktuelle enthält also die Daten von Juli 2019 bis Juni 2020.
Erste Feststellung: Das Medium konnte die Verweildauer wieder ausbauen. 200 Minuten werden nun im Schnitt gehört. In der Werbezielgruppe der 24 bis 49jährigen sind es mit 177 Minuten etwas weniger. Ansonsten sind auch aufgrund der großen Stichprobe Veränderungen nur im marginalen Bereich feststellbar.
Eines legt dieser Radiotest jedenfalls nahe: Der ORF kann sich mit seinen Sendern sehr stabil gegen die anstürmende Privatradiofront wehren. Und hält noch immer einen Marktanteil von 75 Prozent (10+, MO-SO), beziehungsweise 65 Prozent (14-49, MO-SO).
Wichtigstes Zugpferd in der ORF-Flotte: Ö3. Der weist im aktuellen Radiotest nun einen Marktanteil von 31 Prozent in der Gesamtzielgruppe aus. Macht einen Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Den stärksten Marktanteil verzeichnet man mit 36 Prozent in Niederösterreich und Burgenland. Wobei dies in Niederösterreich leichte Verluste, im Burgenland stabile Performance bedeutet. In Wien steht ein Marktanteil von 26 Prozent zu Buche.
Mit den Regionalradios kommt der ORF insgesamt auf 35 Prozent Marktanteil. Hier spielt allerdings Werbung nur eine untergeordnete Rolle. Auf Ö1 gar keine. Immerhin doch bemerkenswert, dass man mit einem Info- und Klassiksender auf acht Prozent Marktanteil kommt.
Allerdings ist sowohl die Zuhörerschaft der Regionalradioflotte sowie Ö1 schon in einem guten Alter. Betrachtet man die Werbezielgruppe, schlägt Ö3 mit einem Marktanteil von 42 Prozent zu Buche. Im Burgenland sogar mit 53 Prozent. Am Wiener Markt sind es immer noch 31 Prozent. Während die Ö2-Flotte insgesamt 15 Prozent ausweist, FM4 vier Prozent und Ö1 drei Prozent.
Immerhin: Der diesjährige Radiotest enthält gleich zwei österreichweite Privatradios. Da wäre zum einen das bereits gut eingeführte KroneHiT. Das muss sich diesmal im Gesamtpublikum nach acht Prozent im Vorjahr mit sechs Prozent bescheiden. In Wien wurde man ebenfalls um zwei Prozentpunkte zurückgestuft, steht aber mit neun Prozent noch gut da. In Oberösterreich dagegen ging es um vier Prozentpunkte von 10 auf sechs Prozent zurück.
An Radio Austria liegt es nicht. Die kommen österreichweit auf zwei Prozent. Deren stärkstes Bundesland ist Salzburg mit neun Prozent. Und dort ist KroneHiT praktisch stabil geblieben.
Betrachtet man nur die Werbezielgruppe, ist das Bild ähnlich, nur mit höheren Zahlen. Zumindest für KroneHiT. Österreichweit liegt der Marktanteil bei 11 Prozent statt zuvor 13 Prozent. Der Rückgang in Wien fällt allerdings stärker aus. Hier ging es von 21 auf 16 Prozent. In Oberösterreich von 16 auf 11 Prozent. In Salzburg dagegen nur von sieben auf fünf Prozent. Radio Austria holt hier in der Zielgruppe einen Marktanteil von 10 Prozent. Österreichweit sind es zwei Prozent.
Eine weite Neuerung: Erstmals werden einige DAB+-Sender ausgewiesen. Allerdings gibt es da noch nicht wirklich viel auszuweisen. Jö.live und Rock Antenne kommen in der Werbezielgruppe österreichweit gerade einmal auf ein Prozent.

Die Bundesländer
In der Steiermark bleibt die Antenne Steiermark die klare Nummer Eins. In der Gesamtzielgruppe weist sie allerdings nach einem Marktanteil von 19 Prozent nunmehr 15 Prozent aus. Leicht positiv verlief das Jahr für Soundportal und Radio Grün-Weiß. Das spiegelt sich auch in der Werbezielgruppe wieder. Hier kommt die Antenne Steiermark nach 27 Prozent nun auf 22 Prozent.
Alles beim Alten, nur noch etwas mehr, heißt es in Kärnten. Die Antenne Kärnten legt von 17 auf 20 (10+) beziehungsweise 27 auf 31 (14-49) zu. Auch in Russ-Land sind die Verhältnisse klar: 22 Prozent für die Antenne Vorarlberg und 25 Prozent für Ö3, beziehungsweise 29 Prozent zu 33 Prozent in der Werbezielgruppe.
Privater Platzhirsch in Oberösterreich bleibt Life Radio. Der Sender verzeichnet ungebrochen 11 Prozent beziehungsweise 14 Prozent in der Werbezielgruppe. Matchen muss er sich lediglich mit Ö3, der in der Werbezielgruppe allerdings auf 42 Prozent Marktanteil kommt.
In Salzburg muss Welle 1 in der Gruppe der 14-49jährigen abgeben und kommt nunmehr auf drei Prozent. In Tirol dominiert Life Radio mit 15 Prozent das Geschehen bei den Privatradios.
In Niederösterreich spielen 88,6 mit sieben Prozent und Radio Arabella mit vier Prozent Marktanteil in der Gesamtzielgruppe mit. Bei den 14-49jährigen sind es 11 Prozent für 88,6. Radio Arabella hat hier etwas nachgelassen und kommt aktuell auf drei Prozent.
Schließlich Wien: In der Gruppe 14-49 erweist sich 88,6 mit neun Prozent als beliebtester regionaler Sender. Radio Energy kommt auf acht Prozent. Radio Arabella erreichte im Vorjahr noch acht Prozent, diesmal sind es vier Prozent.

Erste Stimmen
Abgefeiert wird der Radiotest naturgemäß vom ORF. Immerhin verzeichnet der 75 Prozent Marktanteil over all. „Viele Umfragen belegen das große Vertrauen der Menschen in Österreich in die Informationsleistungen der ORF-Radios – auch während der Corona-Zeit. … Die ORF-Radios begleiten täglich etwa 5 Millionen Hörerinnen und Hörer in allen Lebenslagen“, ließ ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger wissen.
Bei RMS Austria sieht man sich in der 50 zu 50-Strategie bestätigt. Heißt: Mindestens die Hälfte des Radio-Werbebudgets sollte man in Privatradios investieren. „2,1 Millionen werden tagtäglich mit der RMS TOP Kombi erreicht. Zahlen, die zeigen, dass Radio und RMS ein absolut krisensicheres Werbeangebot sind. Tagesbegleiter, Unterhalter, Informationsquelle, aber auch Anker und Stabilisator: All diese ,Rollen‘ meistert Radio auch in Zeiten der Krise mit Bravour und zeigt einmal mehr, dass es in jeden Mediaplan gehört“, resümiert RMS Austria-Chef Joachim Feher.
Zwiespältig lässt der Radiotest das KroneHiT-Team zurück. Einerseits kam man relativ stabil durchs Jahr. Ist einzig relevanter österreichweiter Privatsender und auch in vielen Bundesländern die Nummer 1. Andererseits hat man doch ein paar kritische Anmerkungen über. „Zum einen ist durch die Ausnahmesituation Corona die Aussagekraft für die Zukunft, die wir hoffentlich in weitest gehendem Normalzustand erleben werden, beschränkt, weshalb ich es für besser gehalten hätte, wenn dieser Radiotest ausgesetzt worden wäre, wie das zum Beispiel in Deutschland der Fall ist. Zum anderen gibt es etliche Anzeichen dafür, dass der Radiotest in seiner bisherigen Form eine immer größer werdende Gruppe online/digital affiner Menschen mit relativ hoher Audionutzung nicht mehr erreicht und daher gar nicht mehr die ganze Radionutzung in Österreich abbilden kann. Das wird uns in der nächsten Zeit noch intensiv beschäftigen“, analysiert Geschäftsführer Ernst Swoboda.
In gewohnt euphorisierter Stimmung begleitet die Mediengruppe Österreich die Zahlen für Radio Austria. Diese würden immerhin ein Plus von 17 Prozent bei der Tagesreichweite (10+, Mo-FR), anzeigen. Zu bedenken gibt man weiters, dass im Radiotest auch noch Zahlen der alten Kombination Radio Ö24/Antenne Salzburg und Antenne Tirol eingearbeitet sind.
Auch nicht verderben lässt man sich die Stimmung bei Antenne Steiermark und schon gar nicht bei Antenne Kärnten. „Die Steirer und Kärntner wissen, dass wir sie auch in herausfordernden Zeiten gut durch den Tag bringen. Egal ob via Radio, Web oder App, zu Hause, im Auto oder im Job. Die Antenne bietet die Lieblingsmusik der Steirerinnen und Steirer bzw. Kärntnerinnen und Kärntner und das schnellste regionale Service: Verkehr, Blitzer, Wetter, Nachrichten“, nützt Antenne-Geschäftsführer Gottfried Bichler den Radiotest gleich für Werbung in eigener Sache.
„Wir haben uns in den letzten Monaten ganz bewusst auf unsere Stärken fokussiert, haben Kreativität und Verlässlichkeit gezeigt und sind damit unserer Marke treu geblieben“, resümiert Ralph Meier-Tanos, 88.6-Geschäftsführer, die Ergebnisse. „Besonders freut uns natürlich die stark positive langfristige Entwicklung der Hörerzahlen.“