Ann-Kathrin Büüsker Ann-Kathrin Büüsker Deutschlandfunk
14 Feb
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Was ist so toll an Podcasts?

Dieser Frage geht die Zeit Online mit Hilfe der Expertise der Radio-Journalistin Ann-Kathrin Büsker nach. Passenderweise in einem Podcast.

Podcasts sind in aller Munde. Buchstäblich. Es sieht so aus, als mache jeder, der auf sich hält, einen Podcast; als fühle sich jeder berufen, Audioaufnahmen zu produzieren und im Netz dem Beifall der Massen preiszugeben. 

Was ist so besonders an diesem Medium, dass darum ein derartiger Hype betrieben wird? Und: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Radio und Podcast?
Die Zeit geht auf ihrem Online-Portal diesen Fragen nach. Passenderweise in ihrem Podcast, der den schönen Titel „Wird das was?“ trägt und in dieser speziellen Folge die Frage stellt: „Was soll das eigentlich mit diesen Podcasts?“
Gesprächspartnerin der Zeit-Digital-Redakteurin Meike Laaf ist eine Expertin, die sowohl im regulären Radio wie auch dem Podcast zuhause ist: Ann-Kathrin Büüsker ist beim Deutschlandfunk Moderatorin der Frühsendung Informationen am Morgen, aber sie ist auch eine der Hosts von Der Tag, dem täglichen Podcast des Senders. 
Sie beschreibt die Unterschiede zwischen den beiden Audio-Formaten so: „Radio ist linear; der Podcast ist das nicht, der ist nicht live.“ Am Beispiel des demokratischen Vorwahl-Debakels in Iowa verdeutlicht sie, wo dieser Antagonismus zum Tragen kommt: „Als wir um 5 Uhr anfingen zu senden, sah es noch so aus, als würden wir im Laufe des morgens ganz normal die Endergebnisse aus Iowa bekommen. Dann zeichnete sich ab, es verzögert sich - und dann musst du Stunde für Stunde, eigentlich Minute für Minute, darauf spontan reagieren. Das ist, was Radio für mich ausmacht. Im Gegensatz zum Podcast, den man am Punkt X in den Feed schiebt und an dem man dann nichts mehr ändern kann. Lineares Radio kann Veränderungen abbilden, der Podcast ist eher für die Hintergründe.“
Auch im Auftreten des Moderators sieht Büüsker elementare Unterschiede: „Im Radio ziehst du dir eine Art Kostüm an. Da kann ich nicht so sein wie ich bin. Als ich mit Podcasten anfing, hieß das für mich, das Kostüm in die Ecke zu legen und jetzt einfach mal sein. Gute Podcaster erkennt man daran, dass sie sehr echt klingen.“
Die substanzielle Stärke von Podcasts besteht für die studierte Historikerin und Genderforscherin in der Reibung unterschiedlicher Standpunkte, und dass sie Themen behandelten, die üblicherweise im öffentlich-rechtlichen Radio keinen Platz finden. „Da können sich Leute eine Stimme geben, die vorher einfach keine Stimme hatten. Es ist toll, dass jeder senden kann - das kann eine enorme Bereicherung sein. Auf der anderen Seite kann das auch heißen, das der größte Depp sich hinsetzen und den größten Quatsch ins Internet bringen kann. Und ich persönlich muss gestehen, ich kann keine Podcasts hören, die scheiße produziert sind: Wer will, dass Menschen ihm zuhören, sollte sich wenigstens die Mühe geben, nicht aus zwei Metern Abstand in sein iPhone zu quaken, sondern in ein halbwegs solides Mikrophon zu investieren und vielleicht hier und da einmal zu schneiden.“