Flugblatt: Altmodisch, aber begehrt Pixabay
15 Dez
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Flugblatt: Altmodisch, aber begehrt

Es klingt fast nach einer anderen Zeit. Täglich werden bedruckte Blätter in den Postkästen deponiert. Mit der Hoffnung, dass man diese lese und anschließend kaufe.

Ein altes Rezept, das im Laufe der Jahre durch Geomarketing und Kundenbindung verfeinert wurde. Doch in digitalen Zeiten schüttelt so mancher ob der Erfolgsaussichten den Kopf.
Zu Unrecht, wie eine aktuelle Untersuchung von Marketagent zeigt. Zwar halten auch die befragten Nutzer das gedruckte Flugblatt nicht mehr für zeitgemäß. 60 Prozent sehen dessen Zukunft Online beziehungsweise auf Social Media. Dementsprechend werden auch Apps oder Prospektplattformen als zeitgemäßer wahrgenommen. Doch der Anspruch an digitale Formen ist hoch. 57 Prozent wünschen sich einen Vergleich von Angeboten bzw. Preisen. Rund 4 von 10 möchten detaillierte Produktinformationen erhalten und die Verfügbarkeit eines bestimmten Produktes sogleich prüfen können. Den Zugriff auf den Standort der Nutzer wünscht sich gut ein Drittel. Die Konsumenten könnten dadurch über aktuelle Sonderangebote im gerade besuchten Geschäft sowie in der unmittelbaren Umgebung informiert werden.
Doch das scheint noch Zukunftsmusik. Denn knapp 68 Prozent entnehmen ihr Flugblatt dem Postkasten. 28 Prozent finden es als Beilage in Magazinen oder Tageszeitungen. Im Internet direkt auf der Händler-Website schauen nur knapp 18 Prozent nach. Und Prospektplattformen nutzen 15 Prozent.
Gedruckt ist es den Österreichern also noch immer am liebsten. Nur manchmal ist die Menge halt erdrückend. „Knapp 6 von 10 finden die Flut an Prospekten, die sie zugestellt bekommen, jedenfalls zu viel. Interessanterweise gelten sie jedoch trotzdem bei Weitem nicht als nervigste Werbeform: Nur 5 Prozent halten gedruckte, 3 Prozent digitale Flugblätter für übertrieben aufdringlich“, so Marketagent-Geschäftsführer Thomas Schwabl. Für gut ein Drittel ist die erhaltene Menge an Werbematerial genau richtig, über zu wenig beklagt sich hingegen kaum jemand (6 Prozent). Zudem werden Flugblätter sehr selektiv behandelt. Rund 41 Prozent vertieft sich nur in jene von bestimmten Anbietern oder Branchen. Rund 36 Prozent blättert immerhin das Angebot durch, um zu sehen, ob etwas Interessantes dabei ist. Rund 18 Prozent nutzen Flugblätter, wenn sie auf der Suche nach bestimmten Produkten sind.
Dementsprechend rasch werden die Prospekte auch durchgeblättert. Die Hälfte der Befragten wendet dafür drei Minuten auf. Der Mittelwert liegt bei 4,7 Minuten.
Interessant sind für die Leser in erster Linie Sonderangebote sowie Coupons und Gutscheine. Außerdem sollten Flugblätter eine gute Lesbarkeit, Auskünfte über den Angebotszeitraum, einen hohen Informationsgehalt, eine übersichtliche, klare Gliederung und eine deutliche Kennzeichnung von Rabatten und Preisen aufweisen. Das Ganze garniert mit ansprechendem Bildmaterial.
Wenig überraschend ist diese Werbeform branchenabhängig. 80 Prozent vertiefen sich ins Gedruckte, wenn es vom Lebensmittelhandel kommt. 46 Prozent blättern Infomaterial von Elektrohandel und Telekommunikation durch. 40 Prozent greifen zu jenen von Bau- und Möbelhäusern sowie Drogeriehandel. Dennoch zeigt sich auch darüber hinaus eine starke Wirkung. „Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Prospekte durchaus ihren Zweck erfüllen und abhängig von der Branche einen starken Kaufanreiz darstellen können. Als konsumanregend gelten diese vor allem im Lebensmittelhandel, was aufgrund der hohen Beliebtheit in diesem Bereich wenig überraschend ist, aber auch im Buchhandel, in Bäckereien, dem Spielwaren- und Drogeriefachhandel“, fasst Lisa Patek, Marketingleiterin von Marketagent, zusammen. Sie erfüllen aber noch einen weiteren Zweck: 45 Prozent fühlen sich jenen Unternehmen, deren Flugblätter sie regelmäßig durchstöbern, stärker verbunden. Unter den Frauen berichtet sogar knapp jede zweite von dieser Empfindung.

 

Studiensteckbrief: Methode: CAWI | Marketagent Online Access/Instrument: Online-Interviews über die Marketagent reSEARCH Plattform/Erhebungszeitraum: 19.10.2020 – 28.10.2020/Sample-Größe: n = 1000 Netto-Interviews/Kernzielgruppe: Personen ab 18 Jahren | Inzidenz: 100%/Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die österreichische Bevölkerung