Hamilton konnte einige Fahrer animieren, vor dem GP der Steiermark eine Geste des Protest zu setzen, einige andere nicht Hamilton konnte einige Fahrer animieren, vor dem GP der Steiermark eine Geste des Protest zu setzen, einige andere nicht Screenshot
23 Jul
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Der weiße alte Mann und der Champ streiten

„Ungebildet, ignorant“: Der langjährige Formel 1-Diktator Bernie Eccestone repliziert in der Daily Mail die Kritik von Weltmeister Lewis Hamilton.


Lewis Hamilton ist in der Formel nicht nur fahrerisch das Maß aller Dinge. In den letzten Jahren hat er sich auch als eine Art Hirn und Gewissen unter einem Haufen von ziemlich seelenlosen und entpersönlichten Lenkraddrehern profiliert. Gut, mit der vollen Hose ist´s leicht stinken - d.h.: mit sechs, bald sieben WM-Titeln leistet man sich den Luxus kritischen Denkens vielleicht leichter denn als Hinterherfahrer, der froh ist, mit seinen Sponsormillionen ein lauschiges Plätzchen in einer letztklassigen Gurke gefunden zu haben. Jedenfalls überraschte es nicht, dass Hamilton, Sohn eines schwarzen Vaters und einer weißen Mutter, zur Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung aufrief und beim Grand Prix der Steiermark zusammen mit 13 weiteren Fahrern den Kniefall zelebrierte, mit dem amerikanische Footballer ihren Protest gegen den Rassismus in den USA und der NFL zum Ausdruck brachten (die Fahrer, die stehenblieben, waren Max Verstappen, Antonio Giovinazzi, Daniil Kwjat, Carlos Sainz, Charles Leclerc und Kimi Räikkönen). „Erfunden“ hat diese Geste 49ers-Quarterback Colin Kaepernick - er wurde dafür von der NFL abgesägt. Bei einem Grand Prix der USA ließ sich Hamilton vor ein paar Jahren seine Nummer auf den Helm malen. Er ließ sich damals jedoch noch einreden, sich nicht weiter zum Thema zu äußern. Heute bedaure er das, lässt er wissen.

Vor wenigen Wochen kritisierte Hamilton den langjährigen Formel-1-Diktator Bernie Ecclestone als „ignorant und ungebildet“, weil dieser geäußert hatte, das Schwarze in vielen Fällen rassistischer seien als Weiße.
Ecclestone kontert nun im britischen Boulevardblatt Daily Mail.
„Ich habe das gleiche Schul-Niveau wie du“, richtet der 89jährige Ecclestone, der bereits wiederholt durch Aussagen mit extrem rechter Schlagseite aufgefallen ist, dem Piloten aus. Halb stimmt das, da Hamilton, Jg. 1985, zunächst seine schulische Grundausbildung zugunsten des Rennsports krass vernachlässigte. Er scheint dies aber schnell als Defizit begriffen zu haben, denn 2001 besuchte er in Cambridge ein sog. Sixth Grade College, das in etwa der Oberstufe unserer Gymnasien zu vergleichen ist.
Ecclestone indes verweist darauf, dass er die Schule während des Krieges besucht hat. Das sei nicht zuletzt ihm, Hamilton, zugutegekommen. „Hätte ich eine ordendliche Ausbildung genossen, wäre die Formel 1 vielleicht nicht so wie sie ist und hättest du nicht so profitiert. Auch ich habe viel (Profit) aus ihr herausgeschlagen, aber ich habe schon Geld gemacht, bevor ich in der Formel 1 war.“
Im Folgenden attestiert Ecclestone Hamilton, dass er wie alle erfolgreichen Menschen hart gearbeitet und etwas Glück gehabt habe, und appelliert an ihn, sich keine Gedanken um seine Hautfarbe zu machen: „Wir alle haben irgendetwas, das uns von anderen unterscheidet. Einige von uns sind größer, kleiner, dünner, dicker, schauen besser aus."
Schließlich erzählt Ecclestone von seinen antirassistischen „Heldentaten“. Er habe die Formel 1 aus Südafrika abgezogen, nachdem ein Weißer einen schwarzen Journalisten wegen seiner Kommentare ermordet hatte.
Als er und Jochen Rindt (E. war Rindts Mechaniker, Anm.) ebenfalls in Südafrika unterwegs zur Rennstrecke waren, schlug der weiße Fahrer ihres Autos einen Schwarzen, der auf der Straße ging, mit einem Stock. Worauf er und Rindt den Fahrer aus dem Auto warfen, den Schwarzen einsteigen und an einer sicheren Stelle wieder aussteigen ließen. „Fast wäre ich von der Polizei verhaftet worden. Ich erklärte ihnen, wie das Leben ist, was sie nicht verstehen wollten. Ich hatte viele Vorfälle wie diesen.“