Es ist nicht wirklich so, dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner selten in den NÖ Bezirksblättern vorkäme Es ist nicht wirklich so, dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner selten in den NÖ Bezirksblättern vorkäme Screenshot
03 Okt
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Eine kleine Rundschau

Auffällige ÖVP-Schlagseite der Bezirksblätter NÖ, die unglaubliche Großzügigkeit der Novomatic und ein Anglizismus namens „Schadenfreude“.

 

Sie meinten, Parteiblätter seien - mit Ausnahme diverser FP-naher Rechtsaußen-Postillen und dem ÖVP-eigenen Oberösterreichischen Volksblatt - mehr oder weniger ausgestorben? Sind sie nicht, legt eine gemeinsame Recherche von profil und dem Ö1-Medienmagazin „doublecheck“ nahe. Die neue Ausgabe des profil und das gestrige „doublecheck“, hier nachzuhören und hier zu lesen, legen den dringenden Verdacht nahe, dass in der reichweitenstarken, kostenlosen, zu den Reginalmedien Austria (RMA) gehörenden Bezirksblättern Niederösterreich von höchster redaktioneller Stelle vorgegeben wird, gefällig über die ÖVP zu schreiben. Dass dahinter bezahlte Parteiwerbung stecken könnte, wird indes sowohl seitens der Bezirksblätter wie auch der ÖVP geleugnet. Und wenn es schon einmal, wie bei der parteiseitig bezahlten Diskussionsveranstaltung „Politik und“, in der immer VP-NÖ-Geschäftsführer Bernhard Ebner zu Gast ist, bestätigt wird, fehlt in der Printberichterstattung jeglicher Hinweis darauf. Weiters fiel den Rechercheuren Rosanna Atzara (doublecheck) und Jakob Winter (profil) eine gewaltige ÖVP-Schlagseite bei der Auswahl der zu Wort kommenden Gesprächspartner auf; zudem sind sie in den Besitz von Dokumenten gekommen, die zeigen, dass Bezirksblätter-Redakteure Prämien erhalten, wenn eine bestimmte Anzahl an Anzeigen erreicht oder überschritten wird. Mache sich nun jeder einen Reim darauf…

Gar unermeßlich ist die Großzügigkeit des Glücksspielkonzerns Novomatic. Falter-Chefredakteur Florian Klenk listet auf seinem Twitter-Account auf, wer aller von Novomatic mildtätige Gaben erhalten hat. Es sind nicht nur die üblichen blauen, orangen und türkisen Verdächtigen, sondern auch bedürftige rote Polit-Funktionäre. Klenk enthüllt auch, dass das Magazin News eine komplette Ausgabe, die Novomatic als Sub-Titel-Thema hatte, gekübelt hat. Der Vergleich macht sicher:

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Verlagschef Horst Pirker begründet den selbstverständlich von ihm angeordneten Schnitt mit mangelnder Qualität: Die Novomatic-Story bringe nichts Neues, außerdem habe kein Re-Check bei Novomatic stattgefunden.
Die sind, hört man, sehr schnell mit Klagen zur Stelle. Hört man ja auch von anderen Wohltätern wie Rene Benko, der es überhaupt nicht verträgt, wenn seine rechtsgültige Verurteilung wegen versuchter Intervention in einem Steuerverfahren publizistisch zur Sprache kommt (siehe etwa hier).

Schadenfreude“ war gestern, Freitag, als Donald Trumps Corona-Erkrankung publik wurde, der „mit beträchtlichem Abstand“ meistabgefragte Trend-Begriff auf der Webseite des auf Wörterbücher und Enzyklopädien spezialisierten Unternehmens Merriam-Webster. Angeblich ist der Begriff Mitte des 19. Jahrhunderts ins Englische gesickert. Aber so ganz vertraut sind die Amis damit doch noch nicht, also haben viele von ihnen vernünftigerweise nachgeschaut, was er bedeutet: „Schadenfreude is defined as “enjoyment obtained from the troubles of others.”