Terra X Clip, eingebettet in Wikipedia Terra X Clip, eingebettet in Wikipedia Screenshot
04 Aug
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Wikimedia: Freie Lizenzen für ORF-Inhalte

Mit einer neuen Kampagne kämpft der Förderverein der freien Enzyklopädie für Common Lizenzen von öffentlich-rechtlichen Medieninhalten.

Mithilfe dieser Lizenzen könnten diese Inhalte auch auf Wikipedia genutzt werden und würden sich auch in einer jungen und digital affinen Zielgruppe entsprechend verbreiten. Dabei geht es nicht um kommerzielle öffentlich-rechtliche Inhalte – Stichwort Unterhaltung – sondern in erster Linie um Dokumentationen. Und auch hier oft nur um Clips, wie Wikimedia Österreich Geschäftsführerin Claudia Garád betont. Sie sieht darin eine Win-Win-Situation, denn mit Hilfe der Common Creative-Lizenz könnten diese Inhalte ihr digitales Potenzial so richtig ausspielen. Dafür bedürfe es allerdings einiger Voraussetzungen. Zuerst einmal überhaupt die entsprechende Lizenz. Das Werk muss dann auch zugänglich sein und nicht nach sieben Tagen wieder verschwinden.
In diesem Sinne will man die ORF-Wahl nutzen, um sein Anliegen der nächsten Generaldirektion nahe zu bringen. Unter dem Slogan ORF. Wie Wiki. will man an konkreten Beispielen zeigen, welche Vorteile sich aus einer freien Lizenz für die Gesellschaft ergeben. Da tritt etwa eine Wikipedia-Autorin auf, die damit wirbt, ihren Content mit ORF-Inhalten noch informativer machen zu können. Oder ein Mitarbeiter der Freien Radios, der erklärt, dass seine Inhalte für alle ohne Einschränkungen zugänglich seien. Genau so sollte dies mit ORF-Inhalten sein.
Der Vorteil der freien Lizenzen, so Garád: Man müsste nicht auf ein neues Gesetz warten. Diesbezüglich sei man auch bereits mit dem ORF-Archiv in Kontakt gewesen. Nun möchte man die Wahl nutzen, um gleich direkt mit der Generaldirektion in Verhandlung zu treten.
Um freie Lizenzen von ORF-Seite überhaupt zu ermöglichen, gibt es von Wikimedia auch konkrete Vorschläge. So tritt man dafür ein, Verträge mit Kreativen und Content-Lieferanten möglichst so zu gestalten, dass Interviews, Aufnahmen, Bilder und Grafiken direkt zur einfachen Nachnutzung freigegeben werden können. Dafür sollten die Kreativen auch einen Bonus erhalten, der die entfallenden Wiederholungshonorare ersetzt. Zur ordentlichen Abwicklung schlägt man die Installierung von Open Access-Beauftragten in den Anstalten vor. Und natürlich müssen die Inhalte dauerhaft online abrufbar sein. Sonst könnte man sie nicht als Quelle verwenden.
Eine derartige Kooperation ist im Übrigen nichts Neues, wie Universitätsprofessor Leonhard Dobusch aus Deutschland zu berichten weiß. Dort handhabt es das ZDF seit 2019 so mit Inhalten aus der Sendung Terra X. Dabei hätten sich nach und nach die Befürchtungen zerstreut. Denn eine Wikipedia-gemäße Lizenz heißt auch, dass andere das Werk nach den Regeln der Lizenz nutzen dürfen. Und nicht nur Wikipedia. Im Endeffekt, so Dobusch, habe man aber erkannt, dass die zusätzliche Verbreitung eventuelle Nachteile, wie etwa, dass ein Clip von einem anderen kommerziell verwertet wird, überwiegt. Die Handhabung dieser Lizenz sei zudem auch intern wesentlich einfacher, als jedesmal eine Lizenz aushandeln zu müssen.
Die Erfahrungen in Deutschland würden jedenfalls ein großes Interesse an öffentlich-rechtlichen Inhalten zeigen. Alleine auf Wikipedia seien die Clips eine Million Mal abgerufen worden. Dazu sei es eine charmante Eigenheit der Lizenz, dass die Clips auch mit Untertitel und somit in den Sites verschiedener Sprachen eingebettet werden könnten.

 



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