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09 Apr
geschrieben von 

Rechte Regierungen bashen ausländische Medien

Ungarns Orban lässt profil im ungarischen Staatsfernsehen attackieren. Sloweniens Premier Jansa schießt sich via Twitter auf ARD-Journalisten ein.

Der ungarische Sender M1, der zum öffentlich-rechtlichen Magyar Televízió gehört, hat kürzlich eine heftige Attacke gegen profil-Redakteurin Franziska Tschinderle geritten. Die Journalistin habe die rechtsextreme Partei unter Regierungschef Orban Viktor, wie das auf ungarisch heißt, „mit Fragen provoziert“, „berichtete“ er in einem dreiminütigen Nachrichtenbeitrag, in dem u.a. Screenshots von Tschiderles Fragen eingeblendet wurden. Diese bezogen sich auf ein Treffen Orbans mit seinen Gesinnungsgenossen Matteo Salvini (Lega) und Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki, in dem die Gründung einer rechtsextremen politischen Kooperation erörtert wurde. Tschinderle wollte unter anderem wissen, warum nicht auch - wie es nahegelegen hätte, Vertreter des französischen Rassemblement National (RN) und der österreichischen FPÖ bei dem Rechtsextremen-Treffen dabei war. Solche Fragen stellten nur Amateure, hieß es in dem Beitrag, in dem weiters behauptet wurde, die europäische linksliberale Presse habe „eine beispiellose Attacke gestartet“.
Das österreichische Außenministerium, die SPÖ, NEOS und die Grünen haben neben Reporter ohne Grenzen und dem Presseclub Concordia die Diffamierungen aus Ungarn verurteilt. Die FPÖ dagegen sprach in Form einer Aussendung ihres Mediensprechers Christian Hafenecker von „willkürlichem Ungarn-Bashing“. Die ÖVP als Partei hat sich zur Causa bisher nicht geäußert. Es empfiehlt sich vielleicht anzumerken, dass Kanzler Sebastian Kurz nie auf Distanz zu Orban Viktor gegangen ist.
Sehr gut kann Kurz übrigens auch mit dem slowenischen Premier Janez Janša: Ein Foto vom gemeinsamen Bergsteigen schaffte es sogar auf diese Seite. Mit Orban wiederum verbindet Janša eine entfernt ähnliche Geschichte: In den 80er Jahren durch Unabhängigkeits- und Befreiungs-Aktivitäten populär geworden, fährt er heute scharf am äußerst rechten Kurs des Spektrums, das der politische Zeitgeist gerade noch als demokratisch (oder auch nicht mehr) gelten lässt. Er saß übrigens schon mal wegen Korruption im Knast, outete sich als Fan der Identitären und attackiert nach dem Vorbild Donald Trumps, dem er zuletzt zum vermeintlichen Wahlsieg gratuliert hat, ständig Journalisten auf Twitter. So gesehen war sein jüngster Angriff auf den in Wien ansässigen ARD-Korrespondenten Nikolaus Neumaier business as usual - die Wortwahl macht´s halt aus.

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