ORF: Redakteure warnen vor Aushungerung ORF/Milenko Badzic
07 Okt
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ORF: Redakteure warnen vor Aushungerung

In ihrer Herbsttagung hatte der Redakteursausschuss des Öffentlich-Rechtlichen einiges zu besprechen. Im Mittelpunkt: Corona. Zumindest indirekt.

Denn es habe sich gezeigt, so die Redakteursvertretung, dass gerade in Krisenzeiten die Menschen auf den ORF vertrauen. Besonders auf die Nachrichten. Andererseits hat Corona die Werbe- und Gebühreneinnahmen schmelzen lassen. Was nun zum nächsten Sparprogramm führen dürfte.
Mit ihrem Generaldirektor sind sich die Redakteure noch einig, dass die Hürden des ORF in den digitalen Medien beseitigt werden müssten. Heftig verwahren sie sich aber gegen die Idee, nun ein 75 Mio. Euro-Sparprogramm aufzusetzen. Die Redaktionen seien bereits über das erträgliche Maß hinaus ausgedünnt. Qualitäts-Journalismus könne unter solchen Umständen kaum mehr gewährleistet werden.

„Die Zukunft des Journalismus liegt nicht im Streamen von Pressekonferenzen und dem Aneinanderreihen von möglichst gleichen Original-Ton-Ausschnitten in Fernsehen, Radio und Online wenn - wie vom Generaldirektor jüngst in den Raum gestellt - nur mehr eine/r JournalistIn die Fragen für alle stellt“, belehrt der Redakteursausschuss den Generaldirektor. Und nebenbei noch manch anderes Medienhaus, das genau auf diese Weise TV betreibt. Vielmehr gehe es darum, komplexe Zusammenhänge und Sachverhalte darzustellen und zu erklären. Das bedinge aber kompetente Mitarbeiter und genügend Zeit. Zwei Faktoren, an denen in den letzten Jahren kräftig gespart worden sei. „Es entsteht der Eindruck, das wichtigste Strategiekonzept von Geschäftsführung und Stiftungsrat ist der Abbau von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, kritisiert das Gremium.
Der Redakteursrat kritisiert aber nicht nur, sondern schickte auch Vorschläge aus. Die wichtigsten wohl: Entpolitisierung der ORF-Gremien und Sicherstellung einer unabhängigen Finanzierung. Außerdem wünschen sich die Redakteure mehr Mitsprache bei der Bestellung von journalistischem Führungspersonal sowie eine Vertretung im Stiftungsrat. Die Landesstudios bedürften zudem mehr Personal. Enden soll hingegen das schräge Anhörungsrecht der Landesfürsten. Außerdem auf der Wunschliste: Redakteure, die für den ORF arbeiten, egal ob direkt oder in Töchterfirmen wie ORF III, sollen gleiche Rechte und Pflichten haben. Und: Redakteurssprecher sollten einen besonderen Kündigungsschutz gleich wie Betriebsräte bekommen.

Letzterer Punkt resultiert aus einem Vorkommnis im ORF Vorarlberg im März dieses Jahres. Dort wurde ein Redakteur entlassen, weil er die Quarantäneregelungen gebrochen hätte. Die Entscheidung wurde letztlich vom Arbeitsgericht aufgehoben. Wie sich herausstellte, war nämlicher Redakteur nicht nur Redakteurssprecher, sondern auch Kritiker mancher Entscheidung des Landesdirektors. „Falsche Vorwürfe dürfen nicht dazu verwendet werden, kritische MitarbeiterInnen einzuschüchtern und los zu werden“, begründet der Redakteursrat daher seinen letzten Punkt.