Werben oder Nichtwerben, das ist hier die Frage Pixabay
25 Mär
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Werben oder Nichtwerben, das ist hier die Frage

BranchenBlatt hat sie den Marketingverantwortlichen großer Unternehmen gestellt. Vom Werbestopp bis zu erweiterten Aktivitäten ist alles dabei. 

Hat irgendjemand irgendwann prophezeit, dass man sich einmal um Klopapier prügeln werde? Diese Welt ist, um eine alte Redewendung zu bemühen, aus den Fugen geraten, oder aus ihrer Umlaufbahn, oder wasauchimmer. Zukunftsforscher Matthias Horx sieht sie in einer leider unrealistisch schönen Utopie nach der Krise geläutert und erneuert, quasi generalsaniert, wie Phönix aus der Asche steigen. 

Derzeit sind wir aber auf der Sohle des Jammertals oder möglicherweise, wahrscheinlich sogar, erst auf dem Abstieg dorthin. Und bestimmte Produkte und Geschäftsbereiche gedeihen in den Ruinen unseres sozialen Lebens durchaus prächtig: Um Supermärkte muss man sich keine Sorgen machen, ebensowenig um Apotheken und Drogerien. Erst recht nicht um die Hersteller von Lebensmittelkonserven und ganz erst recht nicht um die Hersteller jenes Papiers, das, naja, für den Arsch ist.
Richtig im Arsch daheim sind indes derzeit andere Branchen: Allen voran der Tourismus mit seinen mächtigen Segmenten Transport - insbesondere Luftfahrt -, Hotellerie und Gastronomie. Nichts zu jubeln haben auch die Handelsbereiche, die keine Lebensmittel oder Drogeriewaren verklickern. Nicht zu vergessen alles was mit Sport zu tun hat: Wettanbieter, Sportsender, Streamingdienste, Sportartikelhersteller. Auch Eventveranstalter haben schon deutlich bessere Zeiten gesehen.

Wie reagiert man nun als Unternehmen auf den Fluch oder Segen in Form eines Krankheitserregers aus dem Fernen Osten? Stellt man jegliche Werbung ein, weil sie sowieso sinnlos ist? Reagiert man, wie unvermeidlicherweise jetzt von vielen geschützten Schreibtischen aus zugerufen wird, „antizyklisch“ und schlägt jetzt erst recht auf die Werbetrommel? Stellt man umgekehrt jegliches Marketing ein, weil das Werkl derzeit eh von selbst rennt, und spart Ausgaben?

BranchenBlatt wollte es wissen und befragte Marketingverantwortliche und Aussagebefugte in Unternehmen, ob sie Werbe- und Marketingaktivitäten planen, ob sie schon geplante Aktivitäten auch tatsächlich durchziehen oder canceln, ob sie im Gegenteil ungeplante Aktivitäten implementieren werden und ob Werbung zur Zeit überhaupt Sinn macht.

 

newaldFingerspitzengefühl gefragt
Wir stehen vor extremen Herausforderungen. Wir haben unsere Werbeaktivitäten komplett überarbeitet. Wichtig ist, das Programm - insbesondere online - reduziert aufrechtzuerhalten, Kundenanfragen perfekt zu servicieren, Mitarbeiter und Vertriebspartner aktuellst zu informieren. Mit Fingerspitzengefühl zu kommunizieren und authentisch zu bleiben.

Philip Newald, Geschäftsführer Österreichische Sportwetten

 

Alle Werbungen storniertxxxlutz pressesprecher thomas saliger

Bis zur Schließung hatten wir normale Umsätze. Danach keine mehr. Für die Zeit der Schließung wird es keine Werbungen geben. Alle Werbungen, egal mit welchem Inhalt werden storniert. Danach geht’s normal oder sogar gesteigert weiter. Wir bewerben unseren Onlineshop, aber nur im Rahmen des üblichen bisherigen Budgets. Weitere Werbeaktivitäten machen derzeit keinen Sinn.
Thomas Saliger, Marketingleiter XXX Lutz

 

 

steinhartGegebenenfalls adaptiert

Die Lebensmittelindustrie zählt im Land zur kritischen Infrastruktur, damit die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sichergestellt bleibt. Wir haben eine Verantwortung weiterzuarbeiten, damit die Lager und Regale gefüllt bleiben. Dabei steht der Schutz unserer MitarbeiterInnen an oberster Stelle. Manner hat bereits in den vergangenen Tagen umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um seinen Kunden, Partnern und Mitarbeitern auch in den kommenden Wochen bestmöglichen Schutz, Sicherheit und eine möglichst unterbrechungsfreie Produktion bieten zu können. Selbstverständlich unterstützen wir jegliche Maßnahmen, die zur Reduzierung des Virus beitragen und reduzieren daher die sozialen Kontakte auf ein Minimum. Marketingmaßnahmen werden vor dem Hintergrund der aktuellen Situation gerade geprüft und gegebenfalls adaptiert.

Karin Steinhart, Leitung Unternehmenskommunikation & Sponsoring Manner

 

hörmerFeingefühl ist gefragt
Natürlich hat wie der gesamte Lebensmitteleinzelhandel auch die Marke Ja! Natürlich jetzt enorme Zuwachsraten durch die Bevorratung der Menschen zu Hause. Obendrein wird durch die Ausgangsbeschränkungen und die Sperre der Lokale viel mehr zuhause gekocht und gegessen.
Marketingaktivitäten werden wie geplant durchgeführt. Die Themen folgen einer Jahresplanung und sind damit längerfristig gesetzt. Aktuell dreht sich alles um Nachhaltigkeit in der Verpackung und die Eindämmung der Verpackungsflut.
Für Verschiebungen oder Storno gibt es keinen Grund, was aber nicht bedeutet, auf die aktuelle Situation nicht zu reagieren. Wir versuchen ihr mit viel Feingefühl und Rücksichtnahme zu begegnen - d.h. vor allem über Online & über Social Media Kanäle. So geben wir hier praktische Tipps für die Zeit zu Hause: Wir erklären, warum gerade in Zeiten wie diesen Bio-Lebensmittel so wichtig sind, geben Tipps zu Rezepten mit Nudeln, Reis, Kartoffeln, da diese Lebensmittel viele Leute zu Hause haben. Sie finden bei uns aber auch DIY & Bastelideen mit Anleitungen für Kids, um diese zu beschäftigen. Ebenso Themen wie das Garteln für Balkon und Garten, da der Frühling kommt und viele zu Hause sind und sich die Zeit sinnvoll vertreiben wollen/müssen. Ebenso denken wir daran diverse Nachbarschaftsprojekte zu unterstützen. Wichtig ist es dabei, im regen Austausch mit der eigenen Community zu sein, diese in unsere Ideen und Maßnahmen miteinzubeziehen um hier mit dem richtigen Content zu reagieren.
Martina Hörmer, Geschäftsführerin Ja! natürlich

 

media markt saturn werbungOnline-Geschäft im Fokus
Wir konzentrieren uns verstärkt auf unsere Multi-Channel-Stärke und fokussieren uns auf unser Online-Business. Gemeinsam mit unseren Lieferanten erhöhen wir die Verfügbarkeit vor allem von Artikeln, bei denen wir derzeit ein starkes Wachstum sehen, z.B. alle Produkte für Home Office - etwa Notebooks, Monitore, Drucker – oder Gesundheit, z.B. Luftreiniger, Gefriertruhen. Dazu gehören aber auch Produkte aus der Unterhaltungselektronik, beispielsweise für Gaming.
Natürlich haben die aktuellen Entwicklungen auch Auswirkungen auf die Werbe- und Marketingaktivitäten im laufenden Quartal. Hier wird kontinuierlich an Adaptionen gearbeitet. Aktuell legen wir den Fokus auf unser Online-Geschäft, wo wir sehr gut aufgestellt sind. Unser Online-Geschäft ist von den aktuellen Entwicklungen bisher nicht beeinträchtigt – im Gegenteil: Wir sehen hier derzeit deutliche Wachstumsraten. In welchem Maße die aktuellen Marktschließungen unser Geschäft beeinträchtigen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls noch nicht präzise sagen. Es ist unser Ziel, unseren Geschäftsbetrieb so gut wie möglich fortzuführen und unseren Kunden die gewohnte Qualität zu bieten – trotz der bestehenden notwendigen Einschränkungen.
Eine Unternehmenssprecherin von MediaMarktSaturn Österreich

 

manfred rapolter foto.1024x1024Zuversicht stärken
Im Kernfokus steht aktuell Kommunikation, die vor allem auf Aufklärung setzt. Beispielsweise in punkto Verfügbarkeit unserer Filialen und vor allem unserer digitalen Möglichkeiten, die den Kunden offen stehen, um vor allem Routinetransaktionen remote erledigen zu können. Zudem bieten wir beispielsweise besonders gefährdeten Kundengruppen die Möglichkeit, ihre Zahlungsanweisungen einfach in den nächsten Postkasten zu stecken, um sich Filialbesuche zu ersparen, die natürlich in der aktuellen Situation auf ein Minimum beschränkt  werden sollen.
Unsere digitalen Anwendungen wie das eBanking oder das mobile Banking mit App haben deutlich an Nutzungsintensität zugelegt, da sie eben auch den Besuch der SB-Zone ersetzen. Beliebte Funktionen wie Scan & Transfer in der BAWAG P.S.K. klar App ermöglichen das schnelle Überweisen von Rechnungen mit QR Code oder aber das Einscannen von Zahlungsanweisungen werden intensiv genutzt.
Es geht uns darum, die Balance zu finden, um zu zeigen, dass wir unseren Kunden in dieser außergewöhnlichen Zeit mit verschiedenen Lösungen zur Seite zu stehen, und auf der anderen Seite Kontinuität sicherzustellen, ein Stück weit Normalität zu signalisieren und Dienstleistungen und Produkte für Kunden zu bewerben, wie etwa aktuell den KapitalSchutz im Wertpapierbereich oder verschiedene Kontomodelle, die gut auf die Kundenbedürfnisse und deren Zahlungsverhalten abgestimmt sind.
Marketing- und Werbemaßnahmen machen auch in der gegenwärtigen Situation Sinn, aber mit einsprechender Sorgfalt und viel Fingerspitzengefühl. Marketing- und Werbeaktivitäten werden ja zuallererst von Bestandskunden wahrgenommen. Hier ist es Gebot der Stunde, aktuelle Themen mitzunehmen und die Zuversicht in die Zukunft zu stärken. Es geht uns vor allem darum, zu signalisieren, dass wir für unsere Kunden auch in schwierigen Situationen da sind. Klassisches Beispiel der Branche ist nun das Betonen von kontaktlosem Zahlen als die hygienischere Variante von Bargeld oder Pin Pads zur Codeeingabe anzufassen. Alle Sujets, die mit Reise- oder Shoppingvorteilen arbeiten, wurden umgestellt, da dies momentan ganz einfach nicht passend ist. Vor allem Produkte und Services, die online oder mobile abzuschließen sind, haben aktuell großen Zuspruch. Wir erleben auch, dass der Austausch am Telefon oder per Mail angestiegen ist, allein um in Kontakt zu bleiben oder Verfügbarkeiten zu erfragen. Keinem fehlt die Zeit, sich gegenseitig nach dem Befinden zu erkundigen und sich am Ende mit guten Wünsche für die Gesundheit und die kommenden Wochen zu verabschieden.
Manfred Rapolter, Head of Communications & Spokesman BAWAG Group AG

 

Dr. Fritsch SPAR c SPAR evatrifftStark erhöhter Social Media-Aufwand

Unsere Umsatzentwicklung ist normal, der Peak ist bereits vorbei. Und irgendwann werden die Nudeln ja auch gegessen und wird das Klopapier aufgebraucht.
Wir ziehen unsere Marketing- und Werbeaktivitäten wie geplant durch, weil wir immer einen Vorlauf von mehreren Monaten haben. Die Aktivitätenplanung ist genauso am Laufen, wobei es natürlich Nachjustierungen gibt, was konkrete Aktivitäten betrifft. Was jetzt dazukommt, ist ein stark erhöhter Social-Media-Aufwand: Es geht um Fragen der Versorgung, der Öffnungszeiten - es wird aber auch viel Lob für unsere Mitarbeiter geäußert, die Gewaltiges leisten.
Da wir sehr gut organisiert sind und früh antizipiert haben, was jetzt leider in vollem Umfang eingetreten ist, und die Mitarbeiter entsprechend gebrieft haben, trifft uns die gegenwärtige Situation nicht unvorbereitet.
Wir denken nicht daran, die Werbeaktivitäten zu reduzieren - gerade jetzt ist es angebracht, Vertrauen, das jahrelang aufgebaut wurde, zu rechtfertigen und bestätigen. Das gilt auch für unser Verhältnis zu den Medien, zu denen wir ebenfalls in jahrelanger Arbeit ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut haben und die wir jetzt keinesfalls im Stich lassen werden.
Gerhard Fritsch, Marketingleiter Spar