Moderator Gustav Soucek, Familienministerin Ines Stilling, Autorin Karin Pfolz, Dina Nachbauer von der Verbrechensopferhilfe Weißer Ring, Psychotherapeutin  Heidemarie Abrahamian Moderator Gustav Soucek, Familienministerin Ines Stilling, Autorin Karin Pfolz, Dina Nachbauer von der Verbrechensopferhilfe Weißer Ring, Psychotherapeutin Heidemarie Abrahamian Jaschke
08 Nov
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Gegen Gewalt anschreiben

Die Autorin Karin Pfolz lud zu einem emotionalen Programmpunkt der Buch Wien: „Literatur in der Gewaltprävention“. 

Familiäre Gewalt mag ein ungewöhnlicher Topos für eine Buchmesse sein, aber es ist notwendig, darüber zu sprechen. Leider. Und so stand ein emotionaler Programmpunkt der Buch Wien am Freitag unter entsprechend düsteren Vorzeichen und, weil man es ja irgendwie in den thematischen Rahmen der Messe einpassen musste, unter dem Motto „Literatur in der Gewaltprävention“. 

Gastgeberin der Podiumsveranstaltung war die Autorin Karin Pfolz, die jahrelang von ihrem Mann misshandelt worden war. Ihr Buch „Manchmal… erdrückt es mich, das Leben“, im eigenen Karina Verlag publiziert und mittlerweile in der vierten Auflage, schildert ihr Martyrium und wie sie sich und ihren Sohn unter unendlichen Mühen daraus befreien konnte. 

„Wie ist es Ihnen ergangen, als Sie diesen Text gehört haben?“, fragte die Psychotherapeutin Heidemarie Abrahamian rhetorisch ins großteils schockstarre Publikum hinein, nachdem Pfolz eine kurze Passage aus dem Werk vorgelesen hatte. „Ich empfinde Scham. Als Mann“, antwortete - wohl stellvertretend für viele - Gustav Soucek, Geschäftsführer des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, der die Debatte auf der Radio-Wien-Bühne leitete. 

Familienministerin Ines Stilling und Dina Nachbauer, Geschäftsführerin der Verbrechensopferhilfe Weißer Ring, komplettierten das Podium, das insbesondere auch die Auswirkungen familiärer Gewalt auf Kinder und die Ausübung psychischer Gewalt im Internet erörterte.

Der Erfolg und das mediale Echo auf ihr Buch hat Karin Pfolz zum Sprachrohr für Gewaltopfer gemacht; sie ist auch Vorstandsvorsitzende des Vereins Respekt für dich - AutorInnen gegen Gewalt. Ihre Publizität hat der öffentlich sehr souverän agierenden Autorin die Bewunderung und Dankbarkeit von Frauen, die Ähnliches wie sie erlitten haben, eingebracht - aber auch viel Hass: „U-Bahn-Fahren geht überhaupt nicht“, erzählt Pfolz im Anschluss an die Veranstaltung in persönlicherem Rahmen. „Viele sagen, ,die macht sich nur wichtig´.“

Abneigung und Zurückweisung liegen nichtzuallerletzt in der Tatsache begründet, dass Pfolz ein echtes Tabuthema aufrührt. Zu verifizieren ist das anhand einfacher Alltagserlebnisse - etwa im Arbeitsleben: „Sagt eine Kollegin, ,Mir wurde die Handtasche mit allem drinnen gestohlen‘, sagt die eine, ,du kannst mit meinem Handy telefonieren’, die andere, ,hier sind 10 Euro, dass du dir etwas zum Essen kaufen kannst‘. Sagt eine, ,Mich hat mein Mann heute nacht geschlagen‘, dann ist Schweigen - dann heißt es, ,ich muss jetzt telefonieren´, ,ich geh´ mir einen Kaffee holen´…“