Der Neue Thomas Ledl - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 AT, via Wikimedia Commons
10 Aug
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Der Neue

Eigentlich war es eine fade Wahl. Denn egal, wer es wird – die wichtigsten Themen sind vorgegeben. Da wäre einmal der ORF Player. Der muss nun an den Start gebracht werden, egal, wie der Name des Generaldirektors lautet. Dann der neue Newsroom. Das Projekt ist nun da, fast fertig und muss mit Leben gefüllt werden. Alternative: Keine. Schließlich das neue ORF Gesetz. Hier schreibt die Anstalt immer fleißig mit. Aber im Kern braucht es: Mehr Bewegungsfreiheit in den digitalen Medien. Finanzielle Absicherung.
Die Konzepte waren daher auch relativ ähnlich. Weißmann betonte noch die Unternehmenskultur. Mehr Verantwortung für die Hierarchien nach der Generaldirektion. Mehr Transparenz. Ob das Wahlkampfgeplänkel oder ernst gemeint ist, wird man sehen.


Beendet wird die Ära Alexander Wrabetz dennoch unwürdig. Weil es ein so offensichtlich parteitaktisches Manöver ist. Da mag die ÖVP gegenüber BranchenBlatt noch so sehr betont haben, dass sich die Parteien aus dem ORF-Wahlkampf raushalten sollten. Offensichtlich waren alle anderen gemeint. Denn mit Roland Weißmann hat man zwar einen Mann mit Hang zu Schwarz, allerdings ist sein Auftreten als Generaldirektor noch unbekannt. Es wäre nicht das erste Mal, dass man mit dem Parteigänger dann nicht ganz zufrieden ist. Das ging auch der SPÖ mit Wrabetz ein paar Mal so. Weißmann jedoch ist mit dieser lächerlichen Wahl erst einmal punziert. Vielleicht wächst schon bis Jänner Gras über die Sache. Ansonsten liegt es an ihm, weiße Löcher in die schwarze Farbe zu kratzen.
Warum diesmal ein besonders parteipolitischer Anstrich herrscht, liegt an einem Mann: Alexander Wrabetz. Er kommt zwar aus der SPÖ, hat sich aber als Chamäleon genug erwiesen, auch den Schwarzen und Blauen den einen oder anderen Gefallen zu tun. Er hat den Newsroom forciert, den ORF Player auf Schiene gebracht, bereits die Eckpfeiler des neuen ORF-Gesetzes formuliert. Man mag gegen das eine oder andere Projekt oder Tun des roten Intendanten sein – etwa dagegen, dass er bereits laut vorsagt, was im Gesetz zu stehen hat – der Nächste macht es nicht anders. Mit Wrabetz hätte sich die Regierung einen gut einschätzbaren GD halten und zugleich vorgaukeln können, dass sie viel von der Unabhängigkeit des ORF hält.
Die Chance hat sie aber vertan. Schon bevor sich der Tross der Direktoren-Anwärter durch die diversen Fernsehstationen begab – wozu, möchte man hier fragen. Die Zuseher sind ja wohl die Letzten, die auf diese Entscheidung Einfluss nehmen können – stand der Sieger fest. 18 Stimmen reichen. 16 hat die ÖVP, dazu noch ein paar ihr nahestehende „Unabhängige“. Schon ist die Umfärbung fertig.
Besonders bezeichnend das Verhalten der Grünen. Ohne Not stimmen sie des Koalitionsfriedens willen mit den Schwarzen. Man darf gespannt auf das Gegengeschäft sein. Immerhin stellten sie mit Pius Strobl unter Wrabetz den mächtigsten Mann im ORF. Bleibt der auch unter Weißmann? Wird er durch einen anderen Grün-gefärbten ausgetauscht? Wie viel dürfen sie mitreden, wenn es um die Direktionsposten geht? Für die Grünen ist es trotz allem nach Beendigung des U-Ausschusses, der Verfassung widersprechende Verordnungen, der Kalmierung von Skandalen der nächste Supergau. Man möchte fast meinen, die Truppe will sich nach der anstrengenden Regierungsbeteiligung ein paar Jahre Ruhe außerhalb des Parlaments gönnen.
Und Weißmann? Seine Vita im ORF lässt viele verunsichert zurück. Sozialisiert in Niederösterreich – wie Wrabetz Vorgängerin und sein ehemaliger Finanzdirektor – wird er am Küniglberg Vize-Finanzdirektor. Und folgte damit seinem Chef aus Niederösterreich nach. Am Wichtigsten in der Außendarstellung wird wohl sein, wie er mit der Redaktion im Hause umgeht. Nach der Ära Monika Lindner konnte man mit Wrabetz nur aufatmen. Stellt sich auch Weißmann vor seine Mitarbeiter, wenn sich die Politik wieder einmal ungerecht behandelt fühlt, kann er nicht so viel falsch machen. Schafft er es, die andauernde Personalreduktion auch noch zu stoppen, wäre das ein weiterer Schritt. Immerhin war er ja auch einmal Journalist in diesem Hause. Das muss nicht unbedingt etwas bedeuten, wie wir wissen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

 



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