Richtige Maske oder nicht? Die Zahl der Maskenexperten erreicht hierzulande langsam die Zahl der Fußballtrainer Richtige Maske oder nicht? Die Zahl der Maskenexperten erreicht hierzulande langsam die Zahl der Fußballtrainer Pixabay
02 Okt
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Corona als Spaltpilz

Das Virus wird uns noch längere Zeit begleiten. Ob die Impfung sobald kommt, wie gut sie wirkt und wie schnell sie verteilt werden kann, steht noch in den Sternen. Klar ist allerdings, der Winter steht bevor. Die Zeit, wo man sich alle möglichen Viren einfängt. Bisher hat das auch niemand gestört. Doch seit Corona ist alles anders. Man wagt ja schon nicht mehr zu Husten. Und wenn man es tut, wartet man auf den nächsten Passanten, der einen anbellt. Man braucht nicht lange zu warten.


Das ist die Unsitte der Coronazeit. Man muss unbedingt jemanden für das Virus und die Infektionen verantwortlich machen. Die Regierung geht da ja mit gutem Beispiel voran. Zuerst waren es die Chinesen, dann die Italiener, dann überhaupt die Ausländer. Dann folgte die Urlaubszeit, da schimpfte man fröhlich auf jene, die es wagten, im Ausland Urlaub zu machen. Die internationalen Gäste, die nach Österreich kamen, wurden verschont. Immerhin ließen die ihr Geld hier und nahmen das Virus mit. Dann haute man auf die Balkan-Länder hin, die offenbar die meisten österreichischen Touristen anzogen.
Als alle wieder zu Hause waren, in vielen Betrieben Homeoffice beendet wurde und die Infektionen wieder anstiegen, war der nächste Schuldige gefunden: Die Jugend. Die es wagt, am Donaukanal zu feiern. Die es überhaupt wagt, sich es doch noch hier und da gut gehen zu lassen. Fegt sie hinfort, sperrt sie ein, klebt ihnen eine Maske aufs Gesicht und schickt sie in Quarantäne!
Was Corona in der Gesellschaft angerichtet hat, zeigt ein Beitrag für die Sendung quer des Bayrischen Fernsehens wunderbar auf. Dort ging es um eine Amerikanerin, die in Garmisch-Partenkirchen arbeitet. In einem Lokal für US-Soldaten. Und sich infizierte. Sie wissen eh schon, mit diesem Virus. Die soll, nachdem sie offiziell als Infizierte bestätigt wurde, die Quarantäne gebrochen und eine Lokaltour gemacht haben. Dabei den halben Ort angesteckt haben. Der darüber höchst erzürnt war. Bis hin zum Landesfürsten, dem unfehlbaren Markus Söder, war man sich sicher: Eine Unverantwortlichkeit. Sogar die Gerichte wollte man damit befassen. Bis sich irgendwann herausstellte, dass besagte Amerikanerin gar keine Sauftour unternommen hatte. Sondern brav zu Hause saß. In dem Beitrag kommt auch eine FDP-Abgeordnete zu Wort. Die ebenfalls positiv getestet wurde. Was dann geschah, überraschte selbst das TV-Team, um einen beliebten Facebook-Schmäh anzubringen. Nicht nur die Dame selbst wurde geschnitten, angepöbelt und beleidigt, sondern auch ihre Kinder. Die im übrigen nicht positiv waren.
Diese Krankheit der Gesellschaft wird uns noch viel mehr beschäftigen als Corona selbst. Und sie hat leider längst die Politik und die Medien infiziert. Die Maßnahmen werden damit gerechtfertigt, dass wir halt schlimm waren. Und jetzt müssen wir diszipliniert werden. Jüngst wieder bei Standard-Kolumnist Hans Rauscher: Gehen die Bösen jetzt in Discos und Clubs, setzt‘s den zweiten Lockdown. Auch unser Bundeskanzler argumentierte die Maßnahmen damit, dass man sich nicht an die Regeln gehalten hätte. Merkwürdig: Die Regeln erlaubten im Sommer, ohne Maske herumzustreifen, später hießen die Regeln, wo Lebensmittel, Post und Bank da Maske. Die Regeln hießen eben nicht, gehe nur mit Maske einkaufen, sonst kommt eine dementsprechende Verordnung.
Dieses ewige Hinhauen und Disziplinieren hält nur den Angst- und Panikmodus aufrecht. Und erzeugt immer mehr Blüten. Ganz ehrlich: Die Masken gehen jedem auf den Keks. Das sieht man allein an dem Einbruch der Umsatzzahlen im Handel. Man will sie also so schnell wie möglich loswerden. Trotzdem sehe ich kaum jemanden, der Indoor ohne Maske herumgeht. Die Menschen halten sich eh an die Regeln, so gut sie halt damit zurechtkommen. Im Lokal wird's dann schon unsinnig. Für zwei Meter Maske rauf, dann am Tisch wieder runter, dann zum Klo eilen, wieder rauf – da nützt die Maske ganz einfach überhaupt nichts. Man hat eher das Gefühl, die Regelung gibt es, damit die Menschen vom Restaurantbesuch abgeschreckt werden. Auch im Freien ist die Maske unsinnig und eigentlich schon kontraproduktiv. Und das wär’s eigentlich mit dem Thema Masken.
Doch die Masken haben einen Nachteil: Sie sind eine politische Manövriermasse und in diesem Sinne viel wirkungsvoller als gegen das Coronavirus. Denn viel kann die Politik sonst nicht ausrichten. Einsperren, im Sinne von Grenzen schließen, Lockdown, Veranstaltungen verhindern – das war es eigentlich schon. Mit den Masken dagegen kann man immer schön Politik machen. Die Infektionszahlen sinken? Wir belohnen euch damit, dass ihr die Masken ablegen dürft. Die Infektionszahlen steigen? Die straffe Hand wird wieder angezogen, im Bemühen, Tätigkeit vorzutäuschen. Zum Beispiel: Dort, wo Menschen im Freien näher zusammenkommen, müssen Masken getragen werden.
Nun, nachdem die WHO im Rahmen einer Metastudie herausfand, dass Masken bei der Pandemie eigentlich wirkungslos sind, wurde erst, nachdem Corona entdeckt wurde, die Bedeutung der Maske damit begründet, dass sie praktisch einen Bremseffekt hätte. Ein Laborversuch habe ergeben, dass Masken den Auswurf des Virus soweit einbremsen würden, dass ein Abstand von eineinhalb bis zwei Meter halbwegs sicher wäre. Würde im Umkehrschluss heißen, kommen die Menschen näher zusammen, nützen auch die Masken nichts mehr. Dann sind da noch diese Aerosole. Da frage ich mich jedesmal, wenn der Bundeskanzler eine seiner bedeutungsschwangeren Pressekonferenzen hält, was der Sinn dahinter sei, den Raum mit Maske zu betreten, dann heiße Luft ohne Maske zu verströmen und danach schnell, aber dafür mit Maske, abzugehen? Gut, einen Showeffekt.
Verschwörungstheoretiker? Nein. Ich plädiere für eine Versachlichung und Beruhigung der Situation. Weg vom Panikmodus. Streng rechtsstaatliche Maßnahmen. Logische Maßnahmen. Und keine Symbolmaßnahmen. Maske als Symbol der Freiheit brauche ich ebenso wenig wie Maske als Symbol der Unterdrückung. Die Maske heißt, dass etwas nicht stimmt und dass ich andere Menschen als gefährlich wahrnehme. Daher sollte sie auch nicht überstrapaziert werden. Eine besondere Wirkung kann man ihr jedenfalls noch nicht nachsagen, wenn man das Geschehen in den verschiedenen Ländern beobachtet. Aber was solls. Trotzdem gilt es, die Kirche im Dorf zu lassen. Manche kommen mit Masken nicht gut zurecht, geschenkt. Die deshalb blockwartmäßig blöd anzugehen und runterzumachen deutet eher darauf hin, dass man selbst große Probleme hat und auf die neidig ist. Was scheinbar hilft, ist – leider – das Verbot großer Indoor-Veranstaltungen sowie die Einschränkungen für Diskos, Nachtlokale und Aprés-Ski-Gesöff. Das kann man aber auch ruhig den verschiedenen Zielgruppen erklären. Immerhin gibt es da – zumindest im Sommer – Alternativen. Ja, genau, den Donaukanal meine ich.
Die Gängelung mit Registrierungen, kurzfristigst eingeführten Maßnahmen, Sperrstundenchaos etc. führt nur zu mehr Ermüdungserscheinungen. Und die werden langsam zum Problem. Genauer: Der psychische Zustand. Die Maßnahmen, stellen Ärzte fest, beeinträchtigen längst nicht mehr nur psychisch labile Menschen, sondern betreffen mittlerweile alle Österreicher.
Und irgendwann muss damit Schluss sein. Da braucht man nur nach Belgien zu schauen. Das Land war besonders betroffen von dem Coronavirus. Und setzte auch besonders strenge Maßnahmen. Bis die Bevölkerung meinte: Genug.


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