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07 Sep
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Im Panikmodus

Kaum war die Hauptreisezeit vorbei, wurde wieder Angst getrommelt. Unter den heftigsten Trommlern befanden sich leider die Medien. Und trieben wohl zu einem guten Teil die Politik vor sich her. So kam es wohl auch zum unsinnigen Maskenbeschluss, ein Politplacebo, dass sich Sebastian Kurz nicht nehmen ließ, selbst zu verkünden.
Dabei wäre es viel wichtiger, statt falsche Zahlen zu verkünden, den Politikern auf die Finger zu schauen und Transparenz einzufordern. Denn noch immer ist unklar, wie Entscheidungen zustande kommen und begründet werden, die das Leben und die Freiheit des Einzelnen höchst tangieren. Letztes Beispiel: Die Corona-Ampel. Inzwischen werden schlampige Verordnungen und Gesetze auf den Weg gebracht, die von den Medien erst viel zu spät thematisiert werden.

Das Phänomen trifft allerdings nicht nur Österreich. In Frankreich wurde eine komplett unsinnige Maskenpflicht im Freien verordnet. Dass manchen Orten in Österreich auch nichts besseres einfiel, macht die Sache nur skurriler. Da flanierte man an der Uferpromenade mit Pflicht-Fetzen im Gesicht am Wirtshaus vorbei, wo man sich ohne Maske fröhlich zuprostete. Auf welcher wissenschaftlichen Basis diese dämliche Idee beruhte, darüber herrscht bis jetzt schweigen.
Doch halt: Falsche Zahlen? Ist BranchenBlatt jetzt unter die Verschwörungstheoretiker gegangen? Auch wenn der Begriff derzeit inflationär verwendet wird: Nein. Da halten wir uns diesmal ganz einfach an die offiziellen Virologen und Epidemiologen. Und die sagen: An diesem und jenem Tag wurden soundsoviele positiv getestet. Das ist halt nicht dasselbe wie: An diesem Tag gab es soundsoviele Neuinfizierte. Denn Neuinfizierte könnte es mehr als positiv Getestete, aber auch weniger geben.
Völlig abstrus wird es dann, wenn mit Zahlen von März oder April verglichen wird. Denn da gab es auch viel weniger Testungen. Und ja, da ärgert es, wenn in TV und Zeitungen dermaßen schlampig herumgefuhrwerkt wird. Das betrifft nicht nur den Boulevard, sondern alle. Die dann noch dazu enttäuscht sind, wenn die Regierung keine Verschärfungen verkündigt. Wobei, was hat man sich erwartet? Wenn wir jetzt schon, wo es praktisch kein Infektionsgeschehen gibt, dermaßen in Angst verharren, dass wir überall Beschränkungen auferlegen wollen, was machen wir dann im Herbst und Winter, wenn auch noch die Grippe hinzukommt?
Und die Frage sollten wir uns schleunigst stellen, bevor jemand auf die Idee kommt, das Land zuzusperren. Virologe Hendrik Streeck, bei weitem kein Panikmacher, schätzte Ende August bei Maischberger, dass das Infektionsgeschehen im Herbst/Winter um rund das Zehnfache ansteigen werde. Dazu komme noch die Grippe, die ganz ähnliche Symptome aufweise. Trotzdem sieht er keinen Grund zur Panik. Denn mehr als die Hälfte der positiv Getesteten seien symptomlos. Er setzt bei der Beruhigung der Lage bei der Teststrategie an. Wie übrigens viele andere Experten. Getestet werden sollten nur noch jene, die Symptome aufweisen. Woher der Sinneswandel? Weil die PCR-Tests derart sensibel sind, dass auch Personen mit niedriger Virenlast positiv sind. Eben die so genannten Asymptomatischen. Und die würden für das Infektionsgeschehen, entgegen der festgesetzten landläufigen Meinung hierzulande, keine Rolle spielen. Weil eben die Virenlast zu gering ist.
Ja, aber Herr Streeck ist doch auch nur ein Verschwörungstheoretiker? Es brauche eine „Testung auf Infektiosität statt Infektion“, schreibt der Virologenpapst der deutschsprachigen Corona-Gemeinde, Christian Drosten, in der Zeit. Das könnte man wahrscheinlich sogar mit PCR-Tests. Allerdings bleiben die unterschiedlichen Interpretationen und der Fakt, dass der Test jedenfalls positiv ist, wenn sich auch nur eine kleine Virusmenge findet. Einen zweiten Test hinterherzuschicken, wie Drosten dies seit langem fordert, mag zwar wissenschaftlich korrekt und sollte vielleicht auch Standard sein, wird aber kaum gemacht. Zu aufwendig, zu lang und – zu teuer.
Genau diese Argumentationen lassen Experten nun auf Schnelltests setzen. Erstens sind sie, wie der Name schon sagt, schnell. Während man bei PCR-Tests in der Regel 48, vielleicht aber auch 72 oder 96 Stunden warten muss. Schnelltests sind ungenauer und würden daher nur bei denjenigen anschlagen, die auch tatsächlich infektiös sind, so das zweite Argument. Und: Schnelltests sind wesentlich billiger, können zu Hause wie ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden und daher auch leichter mit einer zweiten Testung bestätigt werden.
Damit könnte man sich auf das Infektionsgeschehen konzentrieren, so die Befürworter. Und überschießende Maßnahmen vermeiden. Schließlich gilt es, das gelindeste Mittel einzusetzen. Das würde zum Beispiel bedeuten, eher Masken am Arbeitsplatz als Schulschließungen. Da Kinder kaum ein Faktor in der Verbreitung sind. Und vor allem würde es bedeuten, den Panikmodus zu reduzieren. Denn das Virus wird wohl bleiben.
Doch leider sieht in Österreich das Szenario derzeit anders aus. Wenn Streeck mit seinen Erwartungen nur halbwegs recht hat, werden die derzeit gelben Ampeln nicht mehr grün und die grünen sich rasch Richtung rot bewegen. Während die Kinder zu Hause von überforderten Lehrern per PC unterrichtet werden, tummeln sich die Schitouristen in vollen Gondeln und saufen sich in den noch offenen Hütten eben etwas schneller an. Während Anschober Reißt’s euch zusammen schreit und von Betretungsverboten fantasiert und Kurz das nächste Politplacebo verkündet. Und die Medien werden dazu den Weltuntergang zelebrieren. Na, mal sehen, wie schwer der Kohlesack unterm Weihnachtsbaum wird.


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